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Franzosen wollen von Trier nach Hamburg

Franzosen wollen von Trier nach Hamburg

Ab Herbst 2011 könnte es eine direkte Zugverbindung von Trier nach Hamburg geben. Die französische Staatsbahn SNCF will einen Zug von Metz über Luxemburg und Trier in die Hansestadt fahren lassen.

Trier. Sechs Stunden, 46 Minuten. So lange dauert die schnellste Verbindung mit dem Zug von Trier nach Hamburg. Allerdings muss man dann zweimal den Zug wechseln, in Köln und in Hannover. Vielleicht geht es ab Herbst 2011 schneller und bequemer - direkt, ohne umzusteigen, von Trier nach Hamburg. Möglich machen will dies das Berliner Unternehmen Keolis. Bislang beschränkt sich dessen Erfahrung in Sachen Schienenverkehr auf mehrere Nahverkehrsstrecken in Nordrhein-Westfalen. Nun will Keolis erstmals in den Fernverkehr einsteigen.

Das Pikante daran: Keolis ist eine Tochtergesellschaft der französischen Staatsbahn SNCF. In deren Auftrag habe man bei der für die Zulassung von Fernverkehr zuständigen Deutschen-Bahn-Tochter DB Netz für die Strecke Trier-Hamburg angefragt, bestätigte ein Keolis-Sprecher unserer Zeitung. Demnach plant die SNCF Direktverbindungen vom lothringischen Metz über Luxemburg und Trier nach Hamburg und von Straßburg über Frankfurt und Berlin nach Hamburg.

Angriff auf Deutsche Bahn



Würde die SNCF die Zulassung für die Strecken erhalten, wäre es das erste Mal, dass ein ausländisches Unternehmen in Eigenregie auf deutschen Schienen Fernverkehr anbietet. Und das vor dem Hintergrund des Streits zwischen der Deutschen Bahn und der französischen SNCF. Seit Jahren versucht die DB in den französischen Schienengüterverkehr einzusteigen. Doch die SNCF verweigert trotz der zumindest auf dem Papier stehenden europaweiten Liberalisierung des Schienenverkehrs den Deutschen den Zutritt. Daher werten Experten die Ankündigung der SNCF, in den deutschen Fernverkehr einzusteigen, als Angriff auf die Deutsche Bahn.

Der Keolis-Sprecher bremst die Erwartungen. Man habe zunächst nur die Zulassung beantragt. Wann die ersten französischen Züge des Typs Corail (Abkürzung für "confort sur Rail", übersetzt: Komfort auf den Schienen) einmal am Tag von Metz über Trier in die Hansestadt und zurück rollen werden, könne man derzeit noch nicht sagen. Realistisch sei das aber nicht vor dem Herbst 2011, sagte der Unternehmenssprecher. Die Strecke sei attraktiv, man könne damit Geld verdienen, heißt es bei Keolis. Eine derzeit laufende Marktanalyse soll das belegen.

Bereits im April könnte die DB Netz die Genehmigung erteilen. Dann müsste Keolis zunächst einmal die benötigen Züge bestellen. Der Corail wird in Frankreich seit 35 Jahren eingesetzt. Die Züge gelten als sehr komfortabel und sind mit dem Standard deutscher IC-Züge vergleichbar.