Kirche: Frauenstreik gegen Männerkirche

Kirche : Frauenstreik gegen Männerkirche

Einwöchiger Protest stößt im Bistum Trier auf Zustimmung, aber nur wenige Beteiligte.

Was wäre die katholische Kirche ohne das Engagement von Frauen? Einen Eindruck davon können die Gläubigen ab heute bei zahlreichen Protestaktionen bekommen. Die ursprünglich von mehreren Frauen in Münster gegründete Initiative „Maria 2.0“ hat bundesweit zum einwöchigen Kirchenstreik aufgerufen, um für die Erneuerung der Kirche und für andere Machtstrukturen zu kämpfen. Nach dem Willen der Initiatoren sollen  Frauen bis Samstag nächster Woche keine Kirche betreten und für keine ehrenamtlichen Dienste zur Verfügung stehen. „Frauenlob wird gern von Kirchenmännern gesungen, die aber allein bestimmen, wo Frauen ihre Talente in der Kirche einbringen dürfen“, heißt es in einem offenen Brief der Initiative an Papst Franziskus.

Auch bei den katholischen Frauenorganisationen im Bistum Trier fällt der Streikaufruf auf fruchtbaren Boden. Doch mit der Beteiligung oder eigenen Aktionen sieht es eher dünn aus. Nur in Saarbrücken hat die örtliche Katholische Frauengemeinschaft (kfd) für nächsten Samstag zu einer Protestaktion aufgerufen. „Wir Frauen haben die Nase voll von Schönwetterpolitik und leeren Worten, davon, in der Warteschleife zu hängen“, sagt die aus Rheinland-Pfalz kommende kfd-Bundesvorsitzende Mechthild Heil.

Die Diözesanvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB), Beate Born, äußerte sich auf Anfrage unserer Zeitung enttäuscht über die eher schwache Resonanz auf die Streikaktion im Bistum Trier. „Ich habe querbeet dafür geworben“, sagt Born, „aber offensichtlich haben sich viele Frauen mit der Situation abgefunden.“ Die älteren Katholikinnen hätten resigniert, die Jüngeren seien längst abgewandert, sagt die KDFB-Vorsitzende, deren Bilanz zum Thema Gleichberechtigung deutlich ausfällt: „Wir Frauen haben keinen guten Stand in der katholischen Kirche.“

Wegen seiner kritischen Haltung hatte sich der Katholische Frauenbund diese Woche harte Kritik anhören müssen. Ein Sprecher des konservativen Forums Deutscher Katholiken sagte, der Aufruf zum Boykott von Gottesdiensten bedeute „eine neue Qualität der Auseinandersetzung innerkirchlicher Kräfte gegen die Lehre der katholischen Kirche“. Frauen, die sich der Lehre verbunden fühlten, sollten eine neue, glaubenstreue Organisation gründen. Indirekt Rückendeckung bekam der KDFB am Freitag vom Zentralkomitees der deutschen Katholiken, das dafür eintritt, Frauen zur Priesterweihe zuzulassen und ihnen  Leitungsämter zu öffnen.

„Das Gesicht unserer Gemeinden ist längst weiblich“, sagte ZdK-Präsident Thomas Sternberg in seinem Lagebericht zur Eröffnung der Frühjahrsvollversammlung, „ohne die Frauen läuft nichts“.

Die Trierer kfd-Diözesanvorsitzende Margot Klein sagt, Frauen wollten nicht länger vertröstet werden. Sie forderte Bischof Stephan Ackermann dazu auf, sich für eine gleichberechtigte Teilnahme von Frauen in der Kirche einzusetzen. Dass Ackermann inzwischen viele Leitungspositionen in der Verwaltung mit Frauen besetzt habe, sei zwar „ein gutes Zeichen, aber nicht mehr“. Es müsse sich auch in der Ämterhierarchie etwas bewegen, fordert KDFB-Diözesanchefin Beate Born.

Bischofssprecherin Judith Rupp sagte auf Anfrage unserer Zeitung, man wolle sich zu der Streikaktion und ihrer Sinnhaftigkeit nicht äußern. Die Themen der Initiative Maria 2.0 seien aber deckungsgleich mit den Themen, die die Bischöfe bei ihrer Vollversammlung für den synodalen Weg beschlossen hätten. Zudem werde gerade im Rahmen der Synodenumsetzung im Bistum etwa die Fragen von Partizipation und Gewaltenteilung in der Kirche, kollegialer Leitung oder Fragen nach der priesterlichen Lebensform diskutiert.

Das Leitungsteam des Frauenbunds – von links: Marita Mosebach-Amrhein, Petra Schweisthal, Diözesanvorsitzende Beate Born, Marlies Binias, Maria Metrich. Foto: privat. Foto: Picasa

Was die Maria 2.0-Initiatoren von solchen Äußerungen halten, ist dem offenen Brief an Papst Franziskus zu entnehmen. Dort heißt es, dass seit Jahren die immer gleichen Fragen diskutiert würden und trotz der allseits beteuerten Reformbereitschaft die Abschaffung bestehender männerbündischer Machtstrukturen nicht in Sicht sei.

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