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Fremdenfeindliche Zerstörungswut

Fremdenfeindliche Zerstörungswut

Die Verwüstung des leer stehenden Hotels bei Landscheid hatte im November für Entsetzen gesorgt. Denn Hakenkreuz-Schmierereien ließen eine fremdenfeindliche Tat vermuten. Nun hat die Staatsanwaltschaft Trier sechs Jugendliche angeklagt.

Trier/Landscheid. Das idyllisch gelegene Waldhotel Viktoria gehörte einst zu den größten Hotels im Raum Wittlich. Bis zu 100 Flüchtlinge hätten dort untergebracht werden können. Die Verwaltung der Verbandsgemeinde Wittlich-Land prüfte diese Möglichkeit, als nach den bisherigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Trier am 18. und 19. Oktober 2015 Jugendliche zum Teil mehrfach in den Gebäudekomplex einbrachen, die Einrichtung verwüsteten und Hakenkreuz-Schmierereien hinterließen.
Sechs mutmaßliche Täter aus dem Kreis Bernkastel-Wittlich hat die Staatsanwaltschaft Trier nun unter anderem wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung angeklagt. Einem der Angeschuldigten wird zudem das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen zur Last gelegt. Auch ein strafunmündiges Kind soll unter den Tätern gewesen sein. Der Sachschaden wird derzeit auf 40 000 Euro geschätzt.
Nach Aussage des Leitenden Oberstaatsanwalts Peter Fritzen gehört vermutlich keiner der Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren der organisierten rechten Szene an. Mit der Verwüstung des Hotels wollten sie nach den derzeitigen Erkenntnissen aber verdeutlichen, dass sie die Unterbringung von Asylbegehrenden in dem Gebäudekomplex ablehnen - und dies verhindern. Das Jugendschöffengericht beim Amtsgericht Wittlich muss nun über die Eröffnung eines Hauptverfahrens entscheiden. Detailliert hat die Staatsanwaltschaft das Geschehen vom 18. und 19. Oktober rekonstruiert: So sind zunächst drei Jugendliche und ein straf unmündiges Kind in das Gebäude und das benachbarte Gästehaus eingebrochen und haben mit der Zerstörung begonnen. In den Mittagsstunden des zweiten Tages sind dann fünf der Angeklagten zurückgekommen und setzten mit Vorschlaghammer und Spitzhacke das zerstörerische Werk fort. Einer der Jugendlichen hinterließ SS-Runen, Hakenkreuze und andere nationalsozialistische Kennzeichen auf Boden, Wänden und Türen. Obwohl am Nachmittag Polizei und Feuerwehr den Tatort gesichert hatten, drangen am Abend vier der Angeschuldigten nochmals in das Gebäude ein und setzten ihr Zerstörungswerk im ehemaligen Wellnessbereich des Hotels fort.