Freunde und Familie treffen ist out, denn viele surfen lieber im Internet

Freunde und Familie treffen ist out, denn viele surfen lieber im Internet

Echte zwischenmenschliche Kontakte spielen in der Freizeit der Deutschen eine immer geringere Rolle. Das liegt einer repräsentativen Studie zufolge auch daran, dass sie mehr im Internet surfen. Eine Trierer Glücksforscherin warnt vor den Folgen – insbesondere für Kinder und Jugendliche.

Nachbarn einladen, Kuchen essen und quatschen, mit den Freunden in die Kneipe gehen oder mit den Kindern verstecken spielen - immer seltener nehmen sich die Deutschen Zeit für echte soziale Kontakte. Dies ist ein Ergebnis des Freizeit-Monitors - einer repräsentativen Studie der Stiftung für Zukunftsfragen. Dass persönliche Begegnungen eine immer geringere Rolle spielen, liegt aber nicht nur daran, dass die Deutschen weniger Freizeit haben. Im Schnitt sind es nur noch drei Stunden und 49 Minuten pro Tag - eine Viertelstunde weniger als 2011. Es liegt auch daran, dass mehr online erledigt wird: Im Internet zu surfen ist zu einer der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen geworden.

Eine Entwicklung, die die Trierer Uni-Professorin Michaela Brohm mit Sorge beobachtet. Denn die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Positiv-Psychologische Forschung stellt fest, dass das neue Freizeitverhalten Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Menschen hat. "Echte Zuwendung, Liebe und Freundschaft kann man online nicht erfahren", sagt sie. Dafür brauche es den direkten Kontakt. Erst die Wahrnehmung über alle Sinne - Blickkontakt, Körpersprache, Geruch und Berührungen - könne glücklich machen und vitalisieren.

Insbesondere Kinder und Jugendliche hätten viel zu wenige echte soziale Kontakte. "Sie vereinsamen vor dem Rechner", sagt Brohm, die überzeugt ist, dass dies auch gesundheitliche Folgen hat: So zeigten Diagnosedaten der Krankenhäuser, dass die Zahl der unter 15-Jährigen, die Verhaltensstörungen und emotionale Störungen haben, stark gestiegen ist: 205 von 100.000 Kindern leiden inzwischen darunter. Auch die steigende Zahl diagnostizierter Depressionen in der gesamten Gesellschaft resultiere daraus, dass Freunde und Familie sich seltener Zeit füreinander nähmen.

Die Glücksforscherin rät Eltern dazu, Kinder rauszuschicken, auf Bäume klettern zu lassen und mit ihnen zu spielen. Positiv sieht sie zwei andere Freizeittrends: Die Menschen treiben mehr Sport. Zudem verspüren immer mehr Menschen das Bedürfnis nach Ruhe, Nichtstun: Drei Viertel der Befragten gaben an, einfach gerne ihren Gedanken nachzuhängen. Ungeschlagene Nummer eins unter den Hobbys der Deutschen bleibt aber nach wie vor das Fernsehen.

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