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Front National verliert Vizechef - Partei in der Krise

Front National verliert Vizechef - Partei in der Krise

Paris Wenn Marine Le Pen in den vergangenen Jahren irgendwo auftrat, war Florian Philippot nicht weit. Der 35-Jährige war nicht nur Parteivize, sondern auch der "Einflüsterer" der Chefin des Front National.

Eine gefährliche Rolle, die mit den Wahlergebnissen stand oder fiel. Deshalb war es auch kein Wunder, dass der Stern des Absolventen der Elite-Verwaltungshochschule ENA nach der Niederlage Le Pens bei den Präsidentschaftswahlen zu sinken begann. Wochenlang verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Le Pen und ihrem Stellvertreter, bis die Parteichefin ihm alle Kompetenzen entzog und ihn damit zum Parteiaustritt drängte.
"Es ist nicht nach meinem Geschmack, nichts zu tun, deshalb verlasse ich natürlich den Front National," sagte der Europaabgeordnete am Donnerstag im Fernsehen zur Begründung.
Mit dem Abgang des bei den Parteimitgliedern ohnehin ungeliebten Philippot ist auch die "Entteufelung" der Partei Geschichte, für die der Stratege stand. Nach den Jahrzehnten des für seine antisemitischen Parolen bekannten Übervaters Jean-Marie Le Pen hatte seine Tochter seit 2011 versucht, den FN aus der Schmuddelecke zu holen und ihn so auch für die Mitte der Gesellschaft wählbar zu machen. Die Strategie ging zunächst auf: Der FN legte von Wahl zu Wahl zu und wurde bei der Europawahl 2014 zur stärksten Kraft in Frankreich. Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt im Jahr 2017 holte die FN-Kandidatin zwar mit 10,6 Millionen Stimmen das beste Ergebnis für ihre Partei überhaupt, blieb aber mit knapp 34 Prozent der Stimmen unter den eigenen Erwartungen.
Vor allem ihr blamabler Auftritt im Fernsehduell gegen Wahlsieger Emmanuel Macron hinterließ seine Spuren. Deshalb fielen auch die Parlamentswahlen im Juni schlechter aus als von der Partei erhofft: Mit acht Abgeordneten verpassten die Rechtspopulisten den wichtigen Fraktionsstatus. Als Stimme der Opposition etablierte sich seither der Linkspopulist Jean-Luc Mélen chon, während Marine Le Pen auf einer Hinterbank ein Schattendasein fristet. Philippot, der sich in der ostfranzösischen Region Forbach um einen Sitz beworben hatte, verpasste den Einzug in die Nationalversammlung und besiegelte damit sein eigenes Schicksal. Das dürfte Le Pens Nichte Marion Maréchal-Le Pen freuen. Die 27-jährige Erzfeindin Philippots steht für einen stramm rechten Kurs und könnte nun wieder auf die Bühne zurückkehren.