Frostige Kirchen

TRIER. Jahrelang mussten die Finanzplaner des Bistums pünktlich um die Jahreswende den neuesten Einbruch bei den Kirchensteuereinnahmen vermelden. Für 2006 sind die Prognosen günstiger. Allerdings ist ein Großteil der erhofften sechs Millionen Euro Mehreinnahmen schon längst wieder verplant.

1,6 Millionen Schäfchen zählt das Bistum, das von Trier aus verwaltet wird. In der riesigen Fläche zwischen Koblenz und Saarbrücken summieren sich auch kleine Ausgaben schnell zu großen Posten. Die erhöhten Energie-Preise beispielsweise. Damit in den Kirchen nicht noch mehr gefroren wird, überweist das Bistum für 2006 eine Heizkostenbeihilfe an die Pfarrgemeinden. Macht summa summarum ganz schnell eine Million Euro. Angesichts solcher Ausgaben tut es gut, dass die Finanzexperten des Generalvikariats eine Steigerung der Kirchensteuereinnahmen um drei Prozent einkalkulieren können. Die allgemeine Wirtschaftsentwicklung, die leichte Inflation und die zu erwartenden Tarifabschlüsse lassen einen gewissen Optimismus aufkommen, was das Aufkommen angeht. Haushaltsplaner Markus Müller spricht gar von einer "Trendwende", was seine Chefs freilich gleich wieder relativieren. Zwei, drei Jahre Entspannung erwartet Generalvikar Georg Holkenbrink bei der Kirchensteuer, gerade richtig in der Sanierungsphase. Langfristig aber, so betont der oberste Verwaltungsmann des Bischofs, schlage die demographische Entwicklung negativ durch. Nur nicht zu viel Optimismus oder gar Begehrlichkeiten beim Kirchenvolk aufkommen lassen - schließlich muss man "die Bereitschaft zur Kostenreduktion wach halten", wie es Finanzdirektor Bernd Franken formuliert. Tatsächlich ist zu Begeisterung wenig Anlass. 14,6 Millionen Euro muss das Bistum wieder aus seinem Sparstrumpf nehmen, um den Haushalt mit seinem Gesamtvolumen von 300 Millionen Euro in der Waage zu halten. Noch kann man es sich leisten. Und trotzdem ist die Finanz-Decke an vielen Stellen zu kurz - jedenfalls empfinden es die Mitarbeiter häufig so. Personalreduzierung nur durch Priestermangel

Der von manchen Seiten nach den großen Spar-Ankündigungen befürchtete Kahlschlag beim Personalbestand lässt sich bislang nicht ausmachen, im Gegenteil. Große Reduzierungen sind ausgeblieben, die Strukturveränderungen brauchen Zeit. Im Moment arbeitet man mit alten und neuen Strukturen oft zweigleisig und damit personalaufwändig. So umfasst der Mitarbeiterbestand beim Bistum derzeit 2415 Leute - nur 29 weniger als im Vorjahr. Und dieser Rückgang ist keineswegs das Resultat von Einsparungen, sondern fast allein von Priestermangel: Aus 964 Seelsorgern wurden 936, weil sich für eine Wiederbesetzung niemand fand.