"Früher war es langweilig"

"Früher war es langweilig"

MAINZ. Hochbegabte Jungen fallen in den Grundschulen eher auf als Mädchen. Die Folge: In den ersten Klassen der bisher zwei Eliteschulen sind deutlich mehr Jungen als Mädchen. Im September startet auch in Trier eine Hochbegabtenschule.

"Früher war es in der Schule richtig langweilig. Ich habe nichts versäumt, wenn ich nicht da war", sagt der zehnjährige Thorben aus dem rheinhessischen Jugenheim. Doch die Zeiten, in denen es "ätzend" war, den ganzen Tag in der Schule zu sitzen, sind vorbei, denn seit einem Jahr besucht Thorben die neue Hochbegabtenschule am Gymnasium Mainz-Gonsenheim. Auch Nicolas brauchte früher nichts zu lernen, um eine Eins oder Zwei zu schreiben, selbst wenn er eine Klasse übersprang. Heute ist der Schulalltag des Fünftklässlers schon "etwas stressiger": Zwei Fremdsprachen bereits zum Einstieg, viele Zusatzfächer wie "Kommunikation" oder "Computer" und auch schon mal ein Projekt an der Universität stehen auf dem Stundenplan. Ein Neun-Stunden-Tag von Montag bis Donnerstag, an Freitagen ist nach der sechsten Schluss. Auch wenn es am Anfang etwas hart war, Hauptsache es ist nicht mehr langweilig und man gilt nicht mehr als Streber oder Besserwisser.Kinder mit hohem Potenzial sind in regulären Klassen nicht so zu fördern, sagt Marieluise Noll-Ziegler, Leiterin der landesweit zweiten Hochbegabtenschule. Zwar ist die Eingewöhnungsphase meist nicht ganz einfach, schließlich treffen "18 Mal Konkurrenz und Potenzial aufeinander". Doch die Schwierigkeiten des Zusammenfindens haben sich gelöst.

Ein Problem ist jedoch nur langfristiger anzugehen: Jungen sind in Hochbegabtenklassen stark in der Überzahl. Waren es im abgelaufenen Schuljahr in Mainz noch drei Mädchen und 15 Jungen, wird das Verhältnis in der neuen Klasse bereits 7 zu 14 sein. Ähnlich sieht es inzwischen in Kaiserslautern aus, wo das Projekt bereits 2003 startete. In Trier werden nach den Schulferien sechs Mädchen und 14 Jungs die erste Hochbegabtenklasse am Auguste-Viktoria-Gymnasium bilden. "Hochbegabte Mädchen sind weniger auffällig", sagt Noll-Ziegler. Daher sind ihre Fähigkeiten schwerer zu erkennen. Während sich Jungen bereits früh als Experten in ganz bestimmten Fächern hervor tun, sind die Fähigkeiten von Mädchen meist breiter gefächert. Aufklärungsarbeit und Weiterbildung soll vor allem bei Grundschullehrern dafür sorgen, dass ihre Begabungen besser erkannt werden.

In Trier wird zum neuen Schuljahr die dritte Eliteschule im Land an den Start gehen, die vor allem auf die historisch gewachsene Internationalität der Region als ein Schwerpunkt setzt und auf die lateinische Sprache Wert legt. Neu in Trier ist die Einrichtung eines von der Nikolaus-Koch-Stiftung geförderten Kompetenzzentrum, das Eltern und Schule berät.