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Führerschein für gesunde Ernährung wird ausgebremst

Führerschein für gesunde Ernährung wird ausgebremst

Es gibt Kinder, die nicht wissen, wie man eine Kartoffel schält. Andere sind ganz erschreckt, wenn sie zum ersten Mal Essig riechen. Wieder andere kennen kaum Brotsorten außer weißem Toastbrot. Ernährungsberater wollen Schulkinder zu gesunder Ernährung anleiten. Nun fehlen oft die Mittel.

Mainz. Dajana Müller ist Ökotrophologin (Ernährungswissenschaftlerin). Seit 2008 macht sie rheinland-pfälzischen Schülern Appetit auf gutes Essen. Sie gehört zu den 16 Landfrauen in Rheinland-Pfalz, die in die Schulen gehen und mit Drittklässlern einen "Ernährungsführerschein" absolvieren. Das große Ziel: Gesundes Essen soll Spaß machen.
Der Ernährungsführerschein geht auf den Bonner "aid infodienst Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz" zurück. Tausende Schüler im Land haben das Zertifikat in einem fünf bis sechs Wochen dauernden Lernprozess bereits erworben.
Anfänglich waren zwei Dutzend Beraterinnen im Einsatz. Jetzt ist es nur noch gut die Hälfte. Der Grund: Die Bundesförderung wurde gestrichen. Landesgelder gibt es keine. Rot-Grün befördert das Thema gesunde Ernährung auf anderen Wegen - wie etwa im Schulobstprogramm.
"Wir bräuchten dringend eine Landesförderung", sagt Dajana Müller. "Die Themen Ernährung und Verbraucherbildung müssen viel stärker im schulischen Alltag verankert werden." In der CDU sieht man das ähnlich. Dort schlug man vor geraumer Zeit vor, Haushaltsmanagement zum Schulfach in der 7. Klasse zu machen. Inzwischen gibt es Richtlinien für Verbraucher- und ökonomische Bildung. CDU-Bildungspolitikerin Bettina Dickes reicht das nicht: "Das alles darf nicht freiwillig, sondern muss verbindlich geregelt sein."
Bildungspolitikerin Elisabeth Bröskamp (Grüne) hat die Regierung im Bildungsausschuss gebeten, eine Bestandsaufnahme zu machen. Ein Landeszuschuss für den 340 Euro teuren Führerschein (pro Klasse) scheint allerdings vorerst kein Thema zu sein.