Für den AfD-Chef ist Willkommenskultur ein Unwort

Für den AfD-Chef ist Willkommenskultur ein Unwort

Mit scharfen verbalen Attacken auf die etablierten Parteien hat die Trierer Alternative für Deutschland (AfD) den Landtagswahlkampf eröffnet. Landesvorsitzender Uwe Junge warf den "Altparteien und Teilen der Medien" vor, Hetzkampagnen gegen die AfD zu initiieren.

Trier. Gemessen an seinem von heftigen Protesten begleiteten Auftritt am Abend zuvor im Bürgerhaus Mainz-Finthen ist der Wahlkampfauftakt in Trier für den AfD-Landesvorsitzenden Uwe Junge fast schon ein Heimspiel. Rund 60 Zuhörer, darunter auffällig viele jüngere Leute, sind am Mittwochabend ins Sälchen eines Trierer Restaurants gekommen, von Protestierern - in der Landeshauptstadt waren es nach Polizeiangaben bis zu 400 - weit und breit keine Spur. Den einzigen kleinen Dissens an diesem Abend gibt es kurz vor Schluss, als es um diverse Äußerungen des sogar in der AfD umstrittenen Thüringer Sprechers Björn Höcke geht. Uwe Junge gehen sie zu weit, "genau richtig" meinen dagegen andere.
Einig sind sich Spitzenkandidat Junge, der Trierer AfD-Vorsitzende Michael Frisch und das Gros der Zuhörer aber in ihrer massiven Kritik an den etablierten Parteien und ihren Repräsentanten. Festgemacht wird die Kritik vor allem an der "massenhaften illegalen und ungesteuerten Einwanderung", die immer mehr zu einem Problem für die innere Sicherheit werde.
"Köln war vorhersehbar", meint Junge unter Verweis auf die Gewalteskalation in der Silvesternacht, und sei ein erstes Zeichen, "dass wir mit der massenhaften Zuwanderung nicht fertig werden". Eine Integration sei schon jetzt nicht mehr möglich, die Unterbringungskapazitäten für Flüchtlinge seien erschöpft und "Wilkommenskultur das Unwort des Jahrzehnts". Da klopfen die Anwesenden begeistert auf die Tische. Auch als der 58-jährige Oberstleutnant kritisiert, dass viele vor dem Begriff "deutsches Volk" zurückschreckten. "Dabei dürfen wir stolz sein, Deutsche zu sein. Bekennen wir uns zu deutschen Tugenden, das sind wir unserem Land schuldig."Landtagswahl 2016


Eine halbe Stunde vorher hat Junge gesagt, dass er keine Nazis in seinen Veranstaltungen haben wolle - "und ich sehe hier auch keine". Keine andere Partei wie die AfD bekenne sich so klar zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung.
Reichlich Applaus bekommt der Spitzenkandidat auch, als er sich für eine stärkere Förderung der klassischen "Familie aus Vater, Mutter, Kindern" ausspricht. Er habe nichts gegen andere Lebensmodelle, "aber wir müssen sie ja nicht fördern und gleichstellen". Kindertagesstätten sind für Uwe Junge "Verwahranstalten für unter Dreijährige", der "falsche Ort für Kinder", die bräuchten die Nähe der Eltern.
Dass die AfD dem nächsten Mainzer Landtag angehören wird, ist für die Parteivorderen ausgemachte Sache. Dort wolle man sich zunächst einmal auf die "reine Oppositionsarbeit" konzentrieren. Für Regierungsverantwortung sei es noch zu früh.

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