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"Für die gibt es nur einen Platz: Hinter Gittern" - Eifeler CDU-Politiker Schnieder fordert härtere Strafen für illegale Autorennen

"Für die gibt es nur einen Platz: Hinter Gittern" - Eifeler CDU-Politiker Schnieder fordert härtere Strafen für illegale Autorennen

Immer wieder sterben Unbeteiligte durch illegale Autorennen in Städten. Zumeist kommen die Raser jedoch vergleichsweise glimpflich davon. Der Eifeler Bundestagsabgeordnete Patrick Schnieder (CDU) fordert Gefängnisstrafen für die Teilnehmer solcher Rennen.

Bei einem illegalen Autorennen in Hagen in Nordrhein-Westfalen werden vor zwei Wochen fünf Menschen schwer verletzt, darunter zwei Kinder. Ein 33-Jähriger und ein 46-Jährige haben sich offenbar spontan entschieden, ein Rennen durch die Stadt zu machen. Der Ältere gerät dabei in den Gegenverkehr und rast in den Wagen einer Mutter und ihrer beiden Kinder. Gegen beide Männer ist Haftbefehl erlassen worden. Zwei Monate zuvor wird in Berlin-Moabit bei einem illegalen Straßenrennen ein Taxifahrer und sein Fahrgast schwer verletzt. Der Raser, dessen Auto das Taxi gerammt hat, begeht Fahrerflucht.

Im April hat das Kölner Landgericht einen 22-Jährigen und einen 23-Jährigen, die sich in der Kölner Innenstadt ein Wettrennen geliefert haben, wegen fahrlässiger Tötung einer unbeteiligten Radfahrerin zu Haftstrafen von 16 und 20 Monaten auf Bewährung verurteilt.

Es sind Fälle und Urteile wie diese, die den Arzfelder (Eifelkreis Bitburg-Prüm) CDU-Bundestagsabgeordneten Patrick Schnieder wütend machen. Teilnehmer solcher illegaler Straßenrennen. gefährdeten nicht nur sich selbst sondern vor allem Unbeteiligte. "Das ist in hohem Maße rücksichtslos und gefährlich. Wer bei einem solchen illegalen Rennen andere Menschen verletzt oder sogar tötet, der darf nicht einfach mit einer Geldstrafe oder einer Bewährungsstrafe davonkommen", sagt Schnieder, der auch Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestags ist, unserer Zeitung. Die Teilnahme an illegalen Straßenrennen sie "grob verkehrswidrig und rücksichtslos". Niemand habe etwas dagegen, wenn sich die Leute auf ausgewiesenen Rennstrecken austoben. "Aber eine normale Straße ist keine Rennstrecke. Wer so handelt, muss die Konsequenzen spüren", sagt Schnieder.

Laut Polizei wurden allein in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr rund 230 Strafanzeigen wegen illegaler Autorennen erstattet. Da solche Autorennen nur schwer nachweisbar sind, dürfte die Dunkelziffer wesentlich höher liegen als die bekannt gewordenen Fälle.

Unterschieden wird zwischen organisierten und spontanen illegalen Rennen auf öffentlichen Straßen. Die organisierte Rennszene trifft sich zumeist etwa in Gewerbegebieten. Spontane Rennen beginnen oft an einer Ampelkreuzung, wie das in Hagen. Die breiten Ausfallstraßen und Alleen in den Großstädten bieten nach Expertenansicht das optimale Umfeld für die Raser. Hinzu kommt noch der Kick, durch unbeteiligte Passanten als unfreiwillige Zuschauer.

Der Eifeler Politiker fordert deutlich höhere Strafen für solche Raser. "Wer wegen eines Adrenalinkicks Menschenleben aufs Spiel setzt, gehört nicht an das Steuer eines Pkw." Der lebenslange Entzug des Führerscheins sei eine Möglichkeit die kriminellen Autofahrer zu bestrafen. Aber auch die Gerichte müssten deutliche Urteile aussprechen, fordert Schnieder.

"Wer bei einem solchen illegalen Rennen Menschen verletzt oder tötet, für den gibt es nur einen Platz: Hinter Gittern." Das sei auch angesichts des großen Leids bei Opfern und deren Familienangehörigen "das Mindeste". . "Hier geht es um das Leben Unbeteiligter."

Laut Schnieder müsste dafür nicht das Strafgesetzbuch ergänzt werden. Die Gerichte müssten nur den ihnen zur Verfügung stehenden Strafrahmen ausschöpfen, so der CDU-Politiker. "Das aber scheint mir momentan nicht der Fall. Aus Sicht der Opfer kommen zu viele Täter mit zu milden Bewährungsstrafen davon."

Nach Ansicht des Kölner Unfallforschers André Bresges hat niemand der Raser Angst zu sterben. Bresges hat sich intensiv mit illegalen Rennen beschäftigt und hat sich mit vielen der Fahrer unterhalten: "Sie wollen lieber sterben als Krüppel zu enden", sagt Bresges.

Die nordrhein-westfälische Polizei geht seit einiger Zeit gezielt in Schulen und spricht dort gemeinsam mit Opfern von illegalen Rennen und Ersthelfern Fahranfänger an. Die Ergebnisse scheinen jedoch ernüchternd zu sein. Die Fahrer seien in der Regel gegen Kritik und gute Ratschläge immun, heißt es. Selbst Schockvideos nützten wenig. "Die jungen Menschen sind das vom Kino gewohnt. Es entspricht der Sehgewohnheit der Raser", sagt Unfallforscher Bresges.