1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Für die Konservativen zählt nur eines: Obama muss weg

Für die Konservativen zählt nur eines: Obama muss weg

Für die Bewerber um die Präsidentenkandidatur der Republikaner ist 1144 eine bedeutende Zahl. So viele Delegiertenstimmen benötigen sie bei ihrem Wahlkongress Ende August in Florida, um sicher zum Herausforderer von Präsident Barack Obama ernannt zu werden. Heute laufen im Bundesstaat Iowa die Vorwahlen an.

Washington/Des Moines. Es ist eine Wahl, deren Ablauf im modernen digitalen Zeitalter hoffnungslos antiquiert erscheint. Da treffen sich kleine Bürgergrüppchen in Wohnstuben, Turnhallen, Gemeindesälen oder Büchereien, um zu debattieren und am Ende - oft noch durch Handzeichen - ihr Votum abzugeben. Mehr als 1000 solcher "Urwahlen", im Amerikanischen als "Caucus" deklariert, wird es heute Abend geben, wenn im US-Bundesstaat Iowa der offizielle Startschuss für die Kür des Präsidentschaftskandidaten der Republikaner fällt.
Die Augen von Millionen Bürgern richten sich deshalb auf das kleine Iowa mit seinen gut drei Millionen Einwohnern. Hier im Herzen des Mittleren Westens, wo die Landwirte von Maisanbau und Schweinezucht leben und Frömmigkeit sowie Gottesfurcht groß geschrieben werden, begann 2008 Barack Obamas unaufhaltsamer Aufstieg.
Kein zuverlässiger Gradmesser


Und hier in Iowa will Republikaner Mitt Romney, Millionär, Mormone und Umfragen zufolge einer der Favoriten, bei der heutigen Abstimmungsrunde den Grundstein für seine Nominierung legen. Erster muss er dabei nicht unbedingt werden, denn die Erfahrungen der Geschichte zeigen: Iowa ist trotz des derzeitigen Medientrubels kein zuverlässiger und repräsentativer Gradmesser für späteren Erfolg. Nur zweimal endete bisher der Sieger in diesem Bundesstaat auch als Finalkandidat der Republikaner, und nur einmal landete der Gewinner - George W. Bush im Jahr 2000 - später im Weißen Haus. Doch verlieren möchte in Iowa niemand. Und will Romney in einer Woche in New Hampshire an der Ostküste, wo er ebenfalls bei den Demoskopen vorn liegt, glaubwürdig als souveräner "Front-runner" auftreten, muss er in der Kornkammer der Nation gut abschneiden. Derzeit sitzt ihm vor allem der Abgeordnete Ron Paul im Nacken, ein Politiker mit zuletzt stark gewachsener Fan-Basis. Er will den Einfluss des Staates minimieren, US-Militäreinsätze im Ausland nicht mehr zulassen und - zum Entsetzen seiner kriegsbereiten Mitbewerber - den Iran auch eine Atombombe bauen lassen, ohne Luftschläge in Betracht zu ziehen.
Die Früchte einer Kampagne


Auch Rick Santorum, vor Wochen noch politisch totgesagter Ex-Senator, erntet derzeit die Früchte einer mühsamen Haustürkampagne, die ihn durch alle 99 Bezirke Iowas geführt hat. Mit seiner strikten Ablehnung gleichgeschlechtlicher Ehen und von Schwangerschafts-Abbrüchen findet er bei der stark christlich orientierten Basis der Konservativen großen Anklang.
Gleichwohl lassen die US-Medien kaum Zweifel daran, dass am Ende Mitt Romney die Nase vorn haben dürfte - als der Mann, der Barack Obama schlagen will. Bei der Wahl im November gehe es darum, die Seele Amerikas zu retten, verkündet Romney. Denn Obama wolle die USA zum "europäischen Wohlfahrtsstaat" machen. Europa als schlechtes Vorbild, er selbst der Heilsbringer. Ob diese Strategie am Ende landesweit beim direkten Duell mit Obama verfängt, steht auf einem anderen Blatt. Analysen zeigen, dass die Kernwählerschaft Obamas -Afro-Amerikaner, Niedrigverdiener und Bürger lateinamerikanischer Abstammung - zwar überhaupt nicht mit den Leistungen Obamas zufrieden sind, es aber als weitaus größeres Übel ansehen würden, einen Republikaner ins Weiße Haus einziehen zu sehen.
Auch im anderen Lager scheinen die Prioritäten klar zu sein. "Das erste, was uns jeder konservative Wähler in Iowa sagt, ist: Obama muss weg" beschreibt Matt Strawn, Parteichef der Republikaner in dem Bundesstaat, die Stimmung auf der Straße.