Für einen Tag Azubi sein: Warum sich junge Unternehmer für eine frühe Berufsorientierung einsetzen

Für einen Tag Azubi sein: Warum sich junge Unternehmer für eine frühe Berufsorientierung einsetzen

Sie sind selbst erst wenige Jahre ihr eigener Chef, wissen aber, worauf es auf dem Arbeitsmarkt ankommt. Und ihr Draht zu jungen Leuten ist authentisch. So haben die Wirtschaftsjunioren Deutschland den Aktionstag „Ein Tag Azubi“ gestartet, um Jugendlichen die Arbeitswelt näherzubringen. Mit dabei: drei Betriebe des Kreises Junger Unternehmer in der Region Trier.

"Mir selbst war nie klar, was der Beruf des KFZ-Mechanikers beinhaltet." Diese Erfahrung musste Stefan Fleck erst machen, um herauszufinden, dass er für die Arbeit mit Motoren, Öl und Werkzeug gar nicht geeignet ist. Heute ist er mit 28 Mitarbeitern in Trier und Saarbrücken einer der größten Fußballer-Ausrüster in der Großregion. Seine KFZ-Lehre hat er trotzdem zielsicher durchgezogen. "Die Ausbildung war der einfachste Weg für mich. Heute würde ich meiner Tochter raten: Mach ein Praktikum, schau dir an, was dich erwartet", sagt er. Als Jungunternehmer - der Betrieb besteht zehn Jahre - setzt er als Chef genau das um: "Wir haben zwei Jahrespraktikanten, die - neben der Schule - ein Jahr lang einen Tag bei uns Praktikum machen", sagt Fleck. Und auch bei der Auswahl seiner Azubis sieht er genau hin: "Wir haben viele Bewerbungen und viele Praktikanten. Aber vielen ist nicht klar, was sie hier erwartet. Und sie stellen es sich einfacher vor." Um so mehr setzt er auf Auswahl, sucht den engen Draht zu Eltern und Jugendlichen.

So wie bei der Aktion "Ein Tag Azubi" des Kreises Junge Unternehmer (KJU) Trier, die bundesweit in den Aktionstag der Wirtschaftsjunioren Deutschland eingebettet ist. Neben Sport Fleck nehmen auch das Autohaus Heister in Trier und die Schreinerei Linn in Hermeskeil teil.Für einen Tag begleitet so der 18-jährige Damian Dabrowski aus Trier einen Sport-Fleck-Lehrling, "damit er hautnah die Arbeitswelt eines Azubis kennenlernt", erklärt Jan Wiedemann vom KJU und selbst Jungunternehmer. "In vielen Fällen sind junge Leute nicht auf die Arbeitswelt vorbereitet", sagt er. Das größte Defizit in seinen Augen: "Kaum jemand beherrscht den Dreisatz. Im Geschäft mit Kunden ein Muss." Stefan Fleck ergänzt: "Wird ein Kunde falsch oder schlecht bedient, fällt das auf den Betrieb zurück."
Für Damian Dabrowski, der erst vor drei Jahren aus Polen nach Deutschland kam und seinen Hauptschulabschluss gemacht hat, ist der Aktionstag eine wichtige Erfahrung. Er merkt schnell: "Ein Tag Praktikum reicht nicht. Ich kann nicht zeigen, was ich alles kann", sagt er. Andererseits will er beeindrucken und alles richtig machen: "Ich kann hier in jeden Bereich gucken, ich merke aber auch, dass ich unter Druck stehe." Stefan Flecks erstes Fazit: "Er spricht gut Deutsch, war pünktlich und macht einen guten Eindruck." Ein Tag Azubi - mit Chancen auf mehr.