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Gaspreis lässt Kunden kochen

Gaspreis lässt Kunden kochen

MAINZ. (ren/win) Heizen mit Erdgas wird immer teurer. Zum Juli haben 14 der 42 Gasversorger im Land die Preise angehoben, weitere Erhöhungen stehen noch in diesem Jahr ins Haus. Verbraucherschützer prangern überhöhte Kilowatt-Preise an, die Anbieter verweisen auf steigende Bezugskosten.

Beschwerden über Gas-Rechnungen häufen sich schon seit Herbst 2004 bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Die Jahreskosten für ein Einfamilienhaus mit 20 000 Kilowattstunden Verbrauch lagen im Juli 2005 zwischen 4,6 und 21 Prozent höher als im gleichen Monat des Vorjahres, so Recherchen von Energie-Experte Hans Weinreuter. "Spitzenreiter" mit einem rechnerischen Plus von 192 Euro ist die Gasversorgung Westerwald, die geringste Erhöhung (43 Euro) vermelden die Stadtwerke Weidenthal in der Pfalz.17 Prozent in Bitburg, Wittlich und Hermeskeil

Für die Stadtwerke Trier summieren sich die Mehrkosten nach Preiserhöhungen zum Januar und im Mai laut Weinreuter auf 164 Euro, was einer Steigerung von mehr als 16 Prozent in Trier und seinem direkten Umland und 17 Prozent für die Regionen Bitburg, Wittlich und Hermeskeil entspricht. In der Modellrechnung der Verbraucherzentrale kommt Trier mit 1180 Euro Jahreskosten bei einem Verbrauch von 20 000 Kilowattstunden landesweit sogar auf den Spitzenplatz, während in Speyer nur etwa 962 Euro auflaufen. Stadtwerke-Sprecher Jürgen Slowik verweist auf drei Preiserhöhungen seit Oktober 2004, mit denen gestiegene Einkaufspreise, aber auch hohe Investitionskosten bei der Netz-Erneuerung in Trier und der Erschließung von Neubaugebieten in der Region aufgefangen worden seien. Die Verbraucherschützer argwöhnen, dass einige Anbieter die Bindung an den Ölpreis vorschieben und bei ihrer Preisgestaltung gegen das gesetzlich vorgeschriebene "billige Ermessen" verstoßen. "Die Monopolstellung macht es ihnen leicht", sagt Weinreuter: Der Anstieg des Gas-Importpreises um 18 Prozent zwischen Oktober 2004 und Mai 2005 hätte die Rechnung für Endkunden nur um fünf Prozent verteuern dürfen. Gegen acht Versorger hat das Wirtschaftsministerium als Kartellaufsicht im Frühjahr Missbrauchsverfahren eingeleitet. Fünf senkten ihre Preise, zwei Fälle erledigten sich, einer wird noch geprüft. Dass Privatkunden noch nichts vom Wettbewerb auf dem nach EU-Recht liberalisierten Gasmarkt merken, führt der Verbraucherschutz auf die Dominanz der Netzbetreiber zurück. Die von der Bundesregierung eingesetzte "Netz-Agentur" soll über faire Zugangspreise für neue Anbieter wachen."Staat kassiert und zeigt auf Versorger"

Die Versorger weisen den Missbrauchsvorwurf zurück. Der Öl-Importpreis klettert nach der Statistik des Bundesamts für Wirtschaft seit dem Jahr 2000 auf nie da gewesene Höhen, der Gaspreis folgt seit 2001. Die Branche warnt aber davor, die Kopplung aufzuheben. "Sie gibt den Produzenten, die in Russland oder Niederlanden nach Gas suchen, Sicherheit für Bohr-Investitionen", erklärt Heinz Flick, Geschäftsführer beim Landesverband Gas- und Wasserwirtschaft. Ihn ärgert, dass der Staat über die Energie-Steuern "einen großen Anteil einsteckt und dann mit dem Finger auf die Versorger zeigt".