Gastbeitrag: Das Schicksal der syrischen Christen

Gastbeitrag: Das Schicksal der syrischen Christen

Es ist ein Glück für die Christen im Bürgerkriegsland Syrien, dass sich Papst Franziskus für den Frieden dort einsetzt. Der brutale Bürgerkrieg in Syrien bedroht die dortigen Minderheiten und vor allem die syrischen Christen doppelt.

Zum einen hat der umstrittene syrische Diktator Baschar al-Assad die Angst der Christen vor dem Aufstieg der Islamisten in den Ländern des arabischen Frühlings nicht ohne Erfolg ausgenutzt, um ihre Beteiligung am Aufstand gegen seine Herrschaft zu verhindern. Zum anderen legitimierte Assad von Anfang an seine Repression als Verteidigung des Laizismus und der religiösen Minderheiten gegen eine Gefahr durch Islamisten.

Natürlich sind die etwa 1,1 Millionen syrischen Christen weder sozial noch politisch homogen. Vertreter ihrer Elite beteiligen sich am Kampf für Demokratie und Menschenwürde. Aber kirchliche Würdenträger ließen sich vom Regime erpressen, sahen in ihm das kleinere Übel.

Auf der anderen Seite hat der Einfluss radikaler islamistischer Gruppen innerhalb der syrischen Opposition besonders nach der Militarisierung des syrischen Aufstandes zugenommen. Diese Kräfte unterscheiden sich in ihrer Brutalität gegenüber Andersdenkenden nicht wesentlich von der Assad-Diktatur.

Zu ihren Opfern gehören die Christen, die von ihnen als "Kreuzritter" bekämpft werden. So ist unter den Millionen Kriegsflüchtlingen aus Syrien nahezu eine halbe Million Christen. Die Sorge um ihre Zukunft treibt den Papst um - zu Recht. Ihr Schicksal sollte auch US-Präsident Barack Obama bei seinen Überlegungen, wie Assad zu entwaffnen und zu entmachten wäre, mitbedenken.

Zur Person: Abdul Mottaleb Husseini (64) lebt seit 1984 in der Eifel. Der Nahost-Experte ist im Libanon geboren. Der Soziologe, Journalist und Autor beschäftigt sich mit politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Fragen der arabischen Welt. red