Gastbeitrag

Die Gegner der Mohammed-Karikaturen, allen voran die radikalen Islamisten, verkennen den Platz und die Rolle des Propheten in der islamischen Religion. Zum einen gibt es keine Sure des Korans, die die bildliche Darstellung des Propheten verbietet.

Die Kunst der Malerei und des Zeichnens war im Zeitalter des Propheten in Arabien nicht bekannt. Deshalb war es nicht möglich zu verbieten, was nicht existierte. Was der Islam verboten hat, war die damals verbreitete Vielgötterei, die durch Skulpturen dargestellt wurde. Zum Zweiten wurde das Verbot der bildlichen Darstellung, das später durchgesetzt wurde, nicht immer befolgt. In vielen Bücherillustrationen und Miniaturen in Persien und im Osmanischen Reich waren Bilder des Propheten zu sehen. Erst mit dem Aufstieg des Wahhabismus im 18. Jahrhundert auf der arabischen Halbinsel wurden im Namen der Rückkehr zum reinen Islam Kulturstätten zerstört. Versuche im 20. Jahrhundert, den Propheten filmisch darzustellen, scheiterten am Widerstand konservativer islamischer Gelehrter. Schließlich war Mohammed nach dem Koran ein Mensch. Er zeichnete sich dadurch aus, dass er die göttliche Offenbarung erfuhr und den Auftrag hatte, die neue islamische Religion zu verkünden. Er wird als Vorbild und Fürsprecher für die Muslime im Jenseits verehrt, aber er ist weder Gott noch Gottessohn, laut Koran hat er im Leben seine Mission vollendet. Seine Anhänger sollen dem Islam folgen, um den himmlischen Lohn zu bekommen. Dass die Muslime die Verunglimpfung oder die Ironisierung ihres Propheten als verletzend empfinden, ist verständlich. Das darf jedoch keinesfalls Terroristen wie beim Anschlag gegen die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris als Lizenz zum Töten dienen. Abdel Mottaleb el-Husseini Unser Gastautor (65) ist Politikwissenschaftler und Publizist sowie ausgewiesener Kenner des Nahen Ostens, er lebt seit vielen Jahren in Prüm.