Gebühren schrecken ab

MAINZ. Geplante Studiengebühren und Sparmaßnahmen an Hochschulen schrecken Studienanfänger ab. 2004 ging die Zahl der Erstsemester bundesweit um 5,5 Prozent zurück. Der Mainzer Wissenschaftsminister Jürgen Zöllner warnt seine Kollegen in den anderen Ländern vor den Folgen.

Ein Alarmsignal aus der Kultusministerkonferenz (KMK) bringt den rheinland-pfälzischen Wissenschaftsminister und früheren Mainzer Uni-Präsidenten Jürgen Zöllner in Harnisch: 2004 strebten erstmals seit Jahren wieder merklich weniger junge Menschen an die Hochschulen. Die Zahl der Studienanfänger ging um 5,5 Prozent auf knapp 360 000 zurück. Ein interner KMK-Bericht macht dafür unter anderem die Furcht vor den in vielen Ländern geplanten, teilweise bereits beschlossenen Studiengebühren und die Schließung von Studienfächern verantwortlich. "Während Rheinland-Pfalz auf Studiengebühren verzichtet und Studienplätze aufbaut, setzen andere auf Abbau und Gebühren", schimpft Zöllner im Gespräch mit dem TV. Es könne nicht sein, dass sich einige auf Kosten anderer ihrer Verantwortung dieser Zukunftsinvestitionen entledigten. Nach einer Studie des Hochschul-Informations-Systems nannte jeder fünfte Schulabgänger, der Ausbildung statt Studium wählte, Studiengebühren als Grund. Zwar sind sich die Wissenschaftsminister bundesweit einig, dass die Zahl der Hochschulabsolventen in Deutschland gesteigert werden muss, liegt doch die Quote der Studienanfänger mit 38 Prozent eines Jahrgangs deutlich unter dem Durchschnitt der Industrienationen (50 Prozent). Doch Zöllner bringt die rückläufige Zahl der Studienanfänger um zehn und mehr Prozent in Ländern wie Berlin, Niedersachsen oder dem Saarland auch mit dem teilweise massiven Abbau von Studienplätzen in Verbindung. Mit demografischer Entwicklung habe dieser Rückgang nichts zu tun. "Ich wüsste nicht, dass etwa die Saarländer aktuell aussterben", so der Minister. Die Ziele der Hochschulpolitik würden konterkariert, kritisiert Zöllner, der seine Kollegen vor den Folgen eines fehlenden Akademikernachwuchses warnt. Einzig Mecklenburg-Vorpommern kann für 2004 ein Plus von 1,5 Prozent verzeichnen. Mit einem Rückgang von 1,2 Prozent liegt Rheinland-Pfalz auf dem zweitgünstigsten Rang im Ländervergleich. Sinkende Erstsemesterzahlen meldeten vor allem die Fachhochschulen (FH Trier minus 150). Kommt es - wie beispielsweise in Nordrhein-Westfalen bereits für 2006 geplant - in vielen CDU-geführten Ländern zu Studiengebühren, müssten sich die Hochschulen in Rheinland-Pfalz auf einen Ansturm einstellen. Einmal mehr beharrt Zöllner auf seinen Vorschlag eines Kostenausgleichs zwischen den Ländern für jeden von einem Nicht-Landeskind besetzen Studienplatz. Nur so könne verhindert werden, dass sich einige vor ihren Aufgaben drücken, ist sich der Minister sicher. Seine Hoffnung dabei: Bevor an andere Länder gezahlt wird, investiert jeder im eigenen Land.