Geburtsstationen schließen, Schwangere fahren weiter

Arztversorgung im Land : Wenn’s mal wieder länger dauert ...

Geburtsstationen schließen, Schwangere fahren weiter. Das Land sucht Lösungen.

Geht es um die finanzielle Not von Kliniken in Rheinland-Pfalz. zeichnet der CDU-Landtagsabgeordnete Christoph Gensch nach, wie sich der Umgang mit Privatpatienten gewandelt habe. „Ein Privatpatient, der früher ins Krankenhaus kam, durfte einem Chefarzt die Hand geben. Heute muss man drei Chefärzten die Hand geben. Und wer die Klinik verlässt, hat mehr Untersuchungen hinter sich als Organe im Körper“, sagt er. Kliniken machten dafür Abteilungen, die keine „Cash Cows“ sind, dicht – wie Geburtsstationen.

Rund 20 Geburtshilfen schlossen in Rheinland-Pfalz in den vergangenen zehn Jahren, was schwangeren Frauen weite Wege zumutet. In Prüm, Traben-Trarbach, Hermeskeil und Gerolstein ist die einstige Geburtsstation Geschichte. Die letzte Geburtsstation, die in der Region schloss, war Ende 2018 die in Daun. Um ihr Kind auf die Welt zu bringen, reisen viele Vulkaneifeler Frauen nun nach Wittlich oder Mayen.

Gensch sieht Versäumnisse vor allem in der Frage, wie die Landesregierung die Kliniken bei Investitionen stützt. Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) spricht dagegen von einem „flächendeckenden Netz“ an Geburtshilfestationen in den Krankenhäusern.

Auch in Daun seien keine Probleme seit dem Aus der Station bekannt, sagt Bätzing-Lichtenthäler, die Gensch vorwirft, „unlauter zu argumentieren“. Ein zusätzlich angebotener Rettungswagen in Daun, der schwangeren Frauen schnelle Hilfe bieten soll, sei nicht einmal in Anspruch genommen worden. Die Ministerin betont, es sei Träger-Entscheidung gewesen, die Abteilung zu schließen.

Bätzing-Lichtenthäler fordert wiederum schnelle Hilfe vom Bund. Dieser müsse ein Gesetz vorlegen, um Geburtshilfen zu stärken und Bedingungen von Hebammen zu verbessern.

„Rheinland-Pfalz hat seine Hausaufgaben gemacht“, sagt Bätzing-Lichtenthäler. Sie verweist auf Hebammenzentralen wie in Daun und Trier, die das Land jährlich mit 25 000 Euro fördert. Schwangere werden dort vor und nach der Geburt versorgt. Das Modell wolle das Land ausweiten. Die Ampelfraktionen SPD, FDP und Grüne sprechen sich auch für gesonderte Kreißsäle aus, die von Hebammen geleitet werden und bei Komplikationen Ärzte einbinden sollen.

Ingrid Mollnar, Vorsitzende des Hebammenlandesverbands, sagt, sie freue sich über den Ampelantrag, „um Einbrüche im Zugang zu diesen vielfältigen Leistungen für diese Frauen in den Griff zu kriegen“. Dennoch warnt sie davor, dass immer mehr Geburtshilfen schließen. Ihre Kritik: Längere Anfahrtswege trügen zu früherer stationärer Aufnahme und mehr Kaiserschnitten bei. Vielen Kliniken, in die schwangere Frauen ausweichen müssten, fehle es an Personal und Räumen.

Die Landfrauen fordern, Geburtshilfe gesetzlich in der Grundversorgung von Kliniken zu verankern. „Es ist nicht hinnehmbar, dass dem ländlichen Raum immer mehr Geburtsstationen weggezogen werden“, sagt Vizepräsidentin Gudrun Breuer aus Winringen (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Gemeinsam mit den Hebammen und der Initiative Motherhood demonstrieren sie am Mittwoch, 25. September, 11 Uhr,  vor dem Hauptbahnhof in Mainz.

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