Gefährliche Atomtransporte: 20 Züge mit strahlender Fracht 2015 durch Trier

Gefährliche Atomtransporte: 20 Züge mit strahlender Fracht 2015 durch Trier

Atomtransporte auf der Straße und Schiene gehen weiterhin quer durch die Region. Das ergaben TV-Recherchen. Im vergangenen Jahr wurden in ganz Rheinland-Pfalz über 100 solcher Transporte gezählt. Mindestens 20 gingen durch die Region.

Donnerstag vor einer Woche: Am Trierer Moselufer fahren zwei auffällige LKW mit niederländischem Kennzeichen. Die Ladung auf dem Auflieger liegt unter einem grauen, sechseckigen Verdeck. Über dem hinteren Nummernschild und dem orangefarbenen Gefahrenschild ist eine gelb-weiße Tafel angebracht. In dem Gelb ist das Zeichen für Radioaktivität zu erkennen - mitten durch Trier fahren weiterhin Atomtransporte. Bereits vor zwei Jahren hat der TV darüber berichtet. Seitdem hat sich nichts geändert.

Die gefährliche Fracht der beiden am vorvergangenen Donnerstag gesichteten LKW war vermutlich Uranhexafluorid. Der strahlende und hochgiftige Stoff wird für die Herstellung von Brennelementen für Atomkraftwerke benötigt. Trotz der Gefährlichkeit des ätzenden Stoffes gelten sie als normale Gefahrguttransporte, sagt eine Sprecherin des rheinland-pfälzischen Energieministeriums auf TV-Anfrage. Daher weiß niemand so genau, wie viele dieser Transporte durch die Region fahren. Auch die zuständigen Kreisverwaltungen sind nicht darüber informiert.

Uranhexafluorid ist aber nicht die einzige strahlende Fracht, die durch die Region transportiert wird. Laut Energieministerium fuhren im vergangenen Jahr 20 Züge mit radioaktivem Uranerz von Hamburg über Koblenz, Wittlich, Trier, Konz und Perl ins französische Woippy. Auch bei diesen Transporten besteht nach Auskunft des Energieministeriums keine Anzeigepflicht, die jeweiligen Feuerwehren sind also nicht darüber informiert.

Anders sieht es beim Transport von Brennstäben aus. .Dieser wird zunächst vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) genehmigt. Bis zu 48 Stunden vorher werden darüber das Bundesinnenministerium und die jeweiligen Lagezentren in den betroffenen Bundesländern informiert.

In Rheinland-Pfalz geht zudem eine Meldung an das Energieministerium, die für den Katastrophenschutz zuständige Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier und die Rettungsleitstellen. 70 solcher Transporte von der Brennelementefabrik im niedersächsischen Lingen in französische Kernkraftwerke sind laut Ministerium 2015 über rheinland-pfälzische Straßen gerollt, angeblich aber nicht durch die Region Trier. Der Grenzübertritt nach Frankreich sei bei Saarbrücken erfolgt. Die gleiche Route, angeblich ebenfalls nicht durch die Region, hätten 31 Transporte mit angereichertem Uran aus der Anlage im nordrhein-westfälischen Gronau genommen. Bundesweit rollten laut BfS im vergangenen Jahr 416 genehmigte Atomtransporte quer durch Deutschland.

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