1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Gefährliche Seuche: Die Afrikanische Schweinepest

Landwirtschaft : Ein Wurstbrot kann die Seuche bringen

Das Risiko, dass die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland eingeschleppt wird, ist hoch. Und zwar nicht durch kranke Wildschweine, sondern durch den Menschen.

Von der Südeifel aus betrachtet mögen Polen, Rumänien oder Tschechien weit weg erscheinen. Doch bedeuten Entfernungen heute wenig.

Hunderte osteuropäische LKW-Fahrer sind wöchentlich auf der B 51 unterwegs. Was, wenn einer von ihnen ein Brot mit polnischem Schinken oder rumänischer Salami aus dem Fenster wirft, wenn das Fleisch den Virus der Afrikanischen Schweinepest trägt, wenn ein Wildschwein die Reste frisst, erkrankt und hiesige Hausschweine infiziert?

Die Sorgen

Szenarien wie dieses bereiten Bauern rund um Bitburg ernsthafte Sorgen. Denn viele von ihnen erinnern sich zu gut daran, was es bedeutet, wenn auch nur bei einem einzigen Tier eine Seuche diagnostiziert wird.

Gerhard Thiel aus Ingendorf gehörte 1992 zu den Landwirten, die wegen der Pseudowut oder Aujesz­kyschen Krankheit sämtliche Tiere auf einen Schlag verloren. Hunderte Schweine musste er vor die Stalltüre treiben. Dort wurden sie getötet und auf Laster verladen. „Das machen wir nicht noch einmal mit“, sagt er. Auch seine Kollegen hätten Angst, dass sich Ähnliches wiederholt, wenn die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland eingeschleppt wird. „Wenn ein Betrieb es hat, dann sind wir alle dran“, sagt der Landwirt. Zwar erhalte man in solchen Fällen eine Entschädigung, doch reiche die nicht aus, um die laufenden Kosten zu tragen und neue Tiere zu kaufen. Ohnehin zweifelt Thiel daran, dass all seine Kollegen sich wieder Schweine anschaffen würden, wenn es so weit käme.

Das Einzige, was Bauern nun tun können, ist noch akribischer darauf zu achten, dass mit Schuhen, Kleidung oder Futter keine Erreger in den Stall gelangen.

Folgen für den Markt

Der Deutsche Bauernverband fürchtet enorme wirtschaftliche Folgen. „Bereits das Auftreten im Wildschweinbestand würde bedeuten, dass kein Schweinefleisch mehr  in Länder außerhalb der EU exportiert werden kann. Diese Restriktionen würden zu einem dramatischen Preisverfall führen“, sagt DBV-Vizepräsident Werner Schwarz, der die Verluste auf zwei bis drei Milliarden Euro pro Jahr schätzt. Der Export in Drittländer sei sehr wichtig, da dort auch Pfötchen, Ohren und Schweinespeck gefragt seien, die der deutsche Verbraucher nicht mehr verzehre.

Hinzu kämen Folgekosten für vor- und nachgelagerte Bereiche und für die Seuchenbekämpfung in zweistelliger Milliardenhöhe.

Die Krankheit

Die Afrikanische Schweinepest ist für Menschen harmlos, auch der Verzehr von infiziertem Schweinefleisch stellt kein Risiko dar. Bei Schwarzwild und Hausschweinen hingegen führt die hochansteckende Krankheit innerhalb einer Woche zum Tod. Zu den Symptomen gehören Fieber, Schwäche, Durchfall und Blutungen. Erkrankte Wildschweine flüchten auch nicht mehr. Einen Impfstoff gibt es nicht.

Nachgewiesen wurde die aus ­Afrika stammende Krankheit auf Sardinien sowie im Baltikum, in Polen, Rumänien, in der Ukraine und zuletzt auch in Tschechien.

Das Risiko

Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (Friedrich-Loeffler-Institut)  sieht nach neuen Fällen in Tschechien ein hohes Risiko, dass die Seuche nach Deutschland eingeschleppt wird. Wahrscheinlich würden zuerst Wildschweine erkranken. Als wichtigste mögliche Ursache nennt das Institut menschliche Aktivitäten: Fernverkehr, illegale Entsorgung von belastetem Material oder die Einfuhr von kontaminiertem Schweinefleisch.

Hingegen bewerten die Experten das Risiko, dass die Seuche durch den direkten Kontakt zwischen kranken Wildschweinen oder durch Jagdtourismus ausbricht, nur als mäßig.

Die Wildschweine

Obwohl Wildschweine die ersten Leidtragenden wären, ist die Frage nach ihrem Abschuss ins Zentrum der Debatte gerückt. Der Bauernverband forderte kürzlich in einem Gespräch mit der Rheinischen Post, Schonzeiten abzuschaffen und 70 Prozent der Tiere zu töten. Ein Vorschlag, der nicht nur Tierschützern viel zu weit geht, sondern auch Jägern. „Für uns ist es schon wichtig, dass die Bestände runtergehen“, sagt Günther Klein vom Landesjagdverband. Denn je geringer die Population, desto geringer die Ansteckungsgefahr. „Das ist genau wie im Büro“, sagt Klein. Doch gesetzliche Tierschutzregelungen seien nicht verhandelbar. Auch werde bereits sehr intensiv gejagt. 2016/2017 wurden landesweit 60 722 Wildschweine erlegt, im aktuellen Jagdjahr sollen es laut Klein mehr werden.

Der Deutsche Tierschutzbund nennt die Vorschläge inakzeptabel und spricht von Panikmache. Das wahre Problem sei der Mensch. „Weil Tausende Mastschweine in riesigen Hallen zusammengepfercht werden, wird die schnellere Ausbreitung von Seuchen begünstigt“, sagt Pressesprecher Marius Tünte.

Forderungen

Der Bauernverband fordert, Schwarzwild stark zu reduzieren. Zu diesem Zweck solle man Jägern Geld zahlen, wenn sie Wildschweine erlegen und sie bei der Vermarktung von Wildbret unterstützen. Auch in befriedeten Bezirken wie Siedlungen, Parks und Friedhöfen oder in Schutzgebieten solle das Jagen erlaubt werden.  Immer wieder fordern Bauern auch Nachtsichtgeräte für die Jagd. Diese sind laut Klein längst zulässig, solange sie nicht auf die Waffe montiert werden.

Die Jäger wiederum wünschen sich Jagdschneisen, einen Wegfall der Hundesteuer oder Unterstützung bei der verpflichtenden Trichinenuntersuchung. Im Eifelkreis sind diese bei Jungtieren kostenlos, wenn die Jäger auch Blut einschicken, um dieses auf die Afrikanische Schweinepest zu testen. Eine Seuche, die stets näherrückt.