Geheimdossier Trump

Das Wahlkampfteam Hillary Clintons soll auf Umwegen ein Dossier des britischen Ex-Geheim- dienstlers Christopher Steele über Trumps Verbindungen nach Moskau, angeblich kompromittierende Hotel-Eskapaden eingeschlossen, finanziert haben. In Washington sorgt das für Wirbel.

Washington Diese Chance wollte sich Donald Trump nicht entgehen lassen. Da könne man wieder mal sehen, in welch traurigem Zustand sich die Politik in diesem Land befinde, polterte er, kaum hatte eine amerikanische Zeitung enthüllt, dass das Wahlkampfteam Hillary Clintons einen britischen Ex-Spion einspannte, um Belastendes über ihn zusammenzutragen.
Nach Recherchen der Washington Post hat Clintons Stab eine Privatdetektei im April 2016 damit beauftragt, Verbindungen des Tycoons zur russischen Regierung aufzudecken. Genauer, eine mit der Clinton-Kampagne verbandelte Anwaltskanzlei namens Perkins Cole gab der Detektei Fusion GPS den Auftrag, Näheres über die Russland-Kontakte des Immobilienmoguls herauszufinden. Es führte zu einem Dossier des ehemaligen britischen Geheimdienstlers Christopher Steele, das unter anderem Orgien Trumps in einem Moskauer Luxushotel schildert, angebliche Orgien mit Prostituierten.
Der Baulöwe war im November 2013 in die russische Hauptstadt geflogen, um die Kür der "Miss Universe" zu vermarkten, den Schönheitswettbewerb, den er lange Zeit managte. In Steeles Dossier, vor neun Monaten vom Online-Portal Buzz Feed veröffentlicht, ist als Fazit zu lesen, dass Trump seit Jahren von Russland unterstützt werde und es im Übrigen kompromittierendes Material gebe, mit dem ihn der Kreml erpressen könne.
Auch wenn es Zweifel an manchem Detail gab, das er blumig ausschmückte, in Washington ist Steele derzeit ein überaus gefragter Mann. Erst im September beorderte Robert Mueller, der Sonderermittler, der der "Russia Connection" auf den Grund gehen soll, Mitarbeiter nach London, um ihn zu befragen.
Steele, Clinton und Trump: Allein schon die Vorgeschichte ist kompliziert. Im amerikanischen Wahlmarathon begann es damit, dass einer der konservativen Rivalen Trumps die Recherchen von Fusion GPS finanzierte. Als der Mann - um wen es sich handelt, ist noch nicht geklärt - aus dem Rennen ums Weiße Haus ausstieg, waren es die Rechtsberater der Clinton-Kampagne, die dort weitermachten, wo er aufgehört hatte. Ob die Kandidatin selber im Bilde war, gehört zu den Fragen, auf die es noch keine Antworten gibt.
Hillary Clinton, die am Donnerstag ihren 70. Geburtstag feierte, verzichtete zunächst auf jeglichen Kommentar. Ihr Kampagnenchef John Podesta verwies auf Perkins Cole, die Kanzlei. Die teilte wiederum mit, dass weder die ehemalige Außenministerin noch jemand in ihrem engeren Umfeld von den Nachforschungen in Sachen Trump wusste.
Bekannt ist inzwischen, dass von Juni 2015 bis Dezember 2016 5,6 Millionen Dollar aus Clintons Kampagnenkasse auf das Konto der Anwaltskanzlei flossen. Hinzu kamen 3,6 Millionen Dollar, die das Nationalkomitee der Demokratischen Partei überwies. Was davon bei Steele landete, bleibt vorläufig offen.
Fest steht dagegen, wer der Nutznießer der Enthüllungen ist: Donald Trump. Nach allem, was man bisher weiß, kann es weder an dem russischen Versuch, den US-Wahlkampf zu beeinflussen, noch an dubiosen Kontakten wichtiger Berater Trumps zu Vertrauten Wladimir Putins ernsthafte Zweifel geben. Für den Moment aber geht es mehr um die dubiosen Methoden, mit denen das Kontaktnetzwerk ausgeleuchtet werden sollte.
Ein raffiniertes Ablenkungsmanöver - so sieht es der Demokrat Adam Schiff, ein Abgeordneter, der im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses schon viel Zeit damit verbracht hat, Informationsbruchstücke aus der Russland-Akte zu einem Puzzle zusammenzufügen. Entscheidend sei nicht, wer Steele bezahlt habe, entscheidend sei die Spur, auf die Steele gestoßen sei, sagt Schiff. Er könnte noch vor den US-Geheimdiensten entdeckt haben, dass die Russen versuchen würden, die amerikanische Wahl im Interesse Trumps zu beeinflussen.