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Gekämpft und doch verloren

Gekämpft und doch verloren

Seit über zwei Jahren liegen die Unternehmensgruppe Reh und ihr ehemaliger Topmanager Horst Lichter im Clinch. Dieser klagte gegen seine fristlose Kündigung. Das Koblenzer Oberlandesgericht hat die Klage endgültig abgewiesen. Die Kündigung ist rechtens.

Trier. Zwei Jahre lang hat er gekämpft. Und nun hat er verloren. Hans-Jürgen Lichter, einst mächtiger Manager in der Unternehmensgruppe Reh, zu der unter anderem die Sektkellerei Schloss Wachenheim in Trier gehört, hat die Klage gegen seine fristlose Entlassung verloren.Seit März 2012 im Clinch


Lichter führte jahrelang die zum Unternehmen gehörende Kloster Machern AG. Und in dieser Funktion hat er 2007 das 250 000 Quadratmeter große ehemalige Klostergelände St. Paul in Wittlich gekauft. Die Kloster Machern AG wollte dort einen Gesundheits- und Mehrgenerationenpark errichten. Und genau wegen dieses Geschäftes lagen Lichter und die Reh-Gruppe seit März 2012 im Clinch.
Damals war der ehemalige Küchenmeister überraschend fristlos entlassen worden. Nachdem er acht Jahre lang an der Spitze der zur Reh-Gruppe gehörenden Günther-und-Käthi-Reh-Stiftung gestanden hatte und Chef der Kloster Machern AG gewesen war.
Der Topmanager hat im Auftrag des Unternehmensimperiums Millionen Euro für unterschiedliche Immobilienprojekte bewegt. Dann die Entlassung vor über zwei Jahren, neun Monate nachdem sein mit monatlich 15 000 Euro brutto dotierter Arbeitsvertrag um fünf Jahre verlängert worden war.
Der Vorwurf: Lichter soll seinen Arbeitgeber bei dem Grundstücksgeschäft in Wittlich um Millionen geprellt haben. Er soll das ehemalige Klostergelände im Auftrag der Kloster Machern AG für eine Million Euro gekauft und später für drei Millionen Euro verkauft haben - unter anderem an die Grundstückentwicklungsgesellschaft St. Paul, an der Lichter beteiligt war. Die Reh-Gruppe wirft ihrem ehemaligen Top-manager Untreue vor.
Lichter klagte gegen seine Entlassung. Als bei der ersten Verhandlung vor der Handelskammer des Trierer Landgerichts im August 2012 erkennbar wurde, dass die Kündigung womöglich aus formalen Gründen nicht wirksam sein könnte, folgte seitens der Reh-Gruppe eine zweite Kündigung im September. Lichter soll einer Mitarbeiterin genehmigt haben, ihre Überstunden als Fahrtkosten abzurechnen. Darin sah das Gericht einen schweren Vertrauensbruch und bestätigte die Kündigung. Lichter ging gegen das Urteil in Berufung.Gericht weist Klage ab



Gestern verkündete das Koblenzer Oberlandesgericht sein Urteil: Die Klage Lichters wurde abgewiesen, die Kündigung ist rechtmäßig. Weitere gerichtliche Schritte dagegen sind nicht mehr möglich. Lichters Anwalt Gerrit Strotmann äußerte sich gestern nicht zu der Entscheidung. Die Auseinandersetzung zwischen der Unternehmensgruppe Reh und Lichter sind damit wohl noch nicht beendet. Nick Reh, Sprecher des Vorstandes der Reh-Stiftung, kündigte gegenüber unserer Zeitung an, dass man unter anderem gegen den ehemaligen Kloster-Machern-Chef Schadenersatzforderungen stellen wird. Lichter habe seinem Unternehmen einen Schaden von 800 000 Euro allein durch das Grundstücksgeschäft zugefügt, so Reh. Insgesamt bezifferte er den Schaden auf zehn Millionen Euro, weil einzelne, nicht erschlossene Grundstücke in dem Klosterareal nach dem Kauf durch die Kloster Machern AG unter Wert verkauft worden seien. Daher drohten auch anderen an den Geschäften Beteiligten Schadenersatzforderungen, kündigte Reh an.