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Gelbe Karte für "Antenne West"

Gelbe Karte für "Antenne West"

Die Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) hat den Trierer Radio- und Fernsehsender "Antenne West" wegen der Berichterstattung im Vermisstenfall Tanja Gräff scharf kritisiert.

Trier. Aufregung am Abend des 13. Juni in Trier-Pallien: Weil mehrere Anwohner Schreie gehört haben, sperrt die Polizei für Stunden den halben Stadtteil ab, durchsucht Häuser und Wohnungen. Vergeblich. Die rund 100 eingesetzten Beamten finden auch keine Spur von der damals erst seit einer Woche vermissten Studentin Tanja Gräff. Vor Ort ist seinerzeit auch ein für hiesige Verhältnisse großes Medienaufgebot, darunter mehrere Mitarbeiter des Trie rer Privatsenders "Antenne West". Als die Nachricht von der groß angelegten Such-Aktion dessen Sendezentrale in der Gottbillstraße erreicht, wird dort sogleich das gesamte Live-Programm umgeworfen und einfach drauf los schwadroniert: "Wir unterbrechen das Programm hiermit für die ersten unbestätigten Informationen, dass Tanja Gräff gefunden wurde - und zwar entweder gefesselt oder hängend an einem Baum (…)." Kurz darauf vermeldet der Moderator sogar die "sehr, sehr traurige Nachricht", dass "eine Leiche gefunden wurde, die mit ziemlich großer Sicherheit Tanja Gräff sein wird".Keine dieser Meldungen traf zu. Und auch der Wahrheitsgehalt der übrigen 23 Live-Moderationen ließ teils sehr zu wünschen übrig. Einigen "Antenne West"-Hörern und -Zuschauern stieß das stundenlange "reißerische" und "unprofessionelle" Gequatsche derart übel auf, dass sie sich beim Programmbeirat des Senders und der Aufsichtsbehörde LMK beschwerten. Nachdem der Programmbeirat (ihm gehören unter anderem Vertreter der Stadt und der Uni an) Teile der Live-Berichterstattung schon Ende Juni kritisiert hatte, folgte jetzt auch noch die offizielle Rüge der LMK. "Die Berichterstattung wurde von uns förmlich beanstandet", sagte LMK-Sprecher Joachim Kind dem TV. "Das ist wie eine gelbe Karte. Danach sieht man schnell rot, bekommt ein Bußgeld oder mehr." Laut Kind wurde der Sender aufgefordert, künftig "anerkannte journalistische Grundsätze zu beachten".Er habe den Brief der LMK überhaupt noch nicht gelesen, "das sind ja 20 Seiten", sagte "Antenne West"-Chef Sven Herzog am Mittwoch unserer Zeitung. "Sich zu wehren, bringt bei der LMK allemal nichts." Er habe Besserung gelobt, so Herzog. "Wir überlegen in Zukunft zwei Mal, ob wir live senden." Aber der Einsatz in Trier-Pallien werde als "11. September in die Geschichte Triers eingehen".