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Geldautomatenknacker: Angeklagter kommt ohne Handschellen

Geldautomatenknacker: Angeklagter kommt ohne Handschellen

Wenn heute der Prozess gegen vier mutmaßliche Geldautomatenknacker im Trierer Landgericht fortgesetzt wird, wird einer der Angeklagten ohne Handschellen in den Saal kommen. Er ist vergangene Woche überraschend freigelassen worden, angeklagt ist er aber noch immer.

Es ist ein aufwendiger Prozess: Vier Männer zwischen 45 und 56 Jahren sitzen - mit Unterbrechung - seit Mai auf der Anklagebank im Trierer Landgericht. Jeder der mutmaßlichen Geldautomatenknacker hat zwei Verteidiger. Doch bislang sind die vor Gericht vorgebrachten Beweise, dass die vier aus Bosnien-Herzegowina stammenden Männer tatsächlich für die vier Aufbrüche von Geldautomaten (zwei davon an der Mosel) und einen versuchten Aufbruch in Nordrhein-Westfalen verantwortlich sind, eher dünn. Zwar geht die Trierer Staatsanwaltschaft immer noch davon aus, dass es sich bei den Vier um Mitglieder einer Bande handelt, die streng konspirativ arbeitet. Etwa indem sie Decknamen am Handy benutzt (zum Beispiel Nikolaus) und die Mobiltelefone vor den Taten ausschaltet, damit sie nicht geortet werden.
Erweiterte Vorwürfe


Kurz nach Beginn des ersten Prozesses gegen die Vier im Mai, bei dem ihnen zwei Aufbrüche in Reil und Longkamp (Kreis Bernkastel-Wittlich) sowie der versuchte Aufbruch im nordrhein-westfälischen Dülmen vorgeworfen worden sind, hat die Trierer Staatsanwaltschaft weitere Ermittlungsakten vorgelegt. Weil die Verteidiger sich aber nicht in der Lage gesehen haben, diese Akten innerhalb von drei Wochen zu sichten - länger als drei Wochen darf aber ein laufender Prozess nicht unterbrochen werden - hat das Gericht den Prozess abgebrochen. Nun ist er im September wieder neu aufgerollt worden, erweitert um zwei weitere Aufbrüche in Norddeutschland.

Vergangene Woche hat das Gericht einen der Angeklagten, die seit November vergangenen Jahres in Untersuchungshaft sitzen, einen 45-Jährigen, freigelassen. Nach dem derzeitigen Stand sei ihm im Vergleich zu den weiteren Angeklagten nur ein geringer Tatbeitrag zuzurechnen, hat das Gericht die Aufhebung seines Haftbefehls begründet. Einer seiner Verteidiger, der Trierer Rechtsanwalt Otmar Schaffarczyk, hat den Antrag auf Haftentlassung gestellt. Er ist sich sicher, dass der Angeklagte zur heutigen Verhandlung kommen wird. Dem 45-jährigen wird vorgeworfen, im vergangenen November an dem versuchten Geldautomatenaufbruch beteiligt gewesen zu sein. Die vier Angeklagten haben zu dem Zeitpunkt unter Beobachtung der Polizei gestanden, bevor es zu dem Aufbruch kam, waren die Vier festgenommen worden.