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Generationenhaus statt Einsamkeit

Generationenhaus statt Einsamkeit

MAINZ. Armut im Alter verhindern und Familien stärker fördern, das sind nach Meinung von mehr als 160 Bürgergutachtern zentrale Forderungen an die Politik, um auch künftig in einer älter werdenden Gesellschaft ein Miteinander der Generationen sicher zu stellen.

Die Angst vor Armut und Vereinsamung im Alter treibt viele Menschen um - vor allem angesichts eines demographischen Wandels mit zunehmender Alterung der Gesellschaft. Wie bewerten Bürger das gesellschaftliche Miteinander der Generationen, und welche Konsequenzen sind daraus zu ziehen, fragte sich Sozialministerin Malu Dreyer und ließ 160 zufällig ausgewählte Rheinland-Pfälzer in Trier, Mainz, Vallendar und Kusel mit Hilfe der Forschungsstelle Bürgerbeteiligungsverfahren der Universität Wuppertal ein Bürgergutachten erstellen. Rentnerinnen von 92 Jahren steuerten ebenso Ideen, Kritik und Vorschläge bei wie Schüler von 16 Jahren. Ängste vor dem demographischen Wandel haben sowohl Junge wie Alte, wie sich schnell zeigte: Die einen fürchten sinkende Löhne und steigende Sozialabgaben, die anderen ein fallendes Rentenniveau und geringeren Lebensstandard. Geht es um die Wünsche fürs Alter, stehen gesellschaftliche Integration und ein intaktes soziales Umfeld ganz oben an, noch vor Punkten wie Selbstständigkeit oder Mobilität und deutlich vor der Gesundheit. Die Ängste drehen sich entsprechend vor allem um Vereinsamung, soziale Ausgrenzung und Altersarmut. Eine gute Alterspolitik, so das Fazit der Bürgergutachter, zeichnet sich vor allem durch das Verhindern von Altersarmut, Verbesserungen im Bildungssystem und ein gezieltes Fördern der Familie aus. Gefordert wird unter anderem, leistungsfähigere ältere Menschen nicht einfach vom Arbeitsmarkt auszuschließen und eine gesetzliche Mindestrente einzuführen. Neben der steuerlichen Entlastung müsste zudem der Familie als Keimzelle für ein solidarisches Miteinander der Generationen wieder neues Gewicht verliehen werden. Die Politik müsse anstoßen, dass die Drei-Generationen-Familie eine hohe Stellung erhalte, so das Plädoyer der Gutachter. Kindererziehung und Seniorenpflege müssten entsprechend anerkannt werden und dürften nicht zu Nachteilen in der Rentenversicherung führen. Aber auch außerhalb der Familien wird gemeinsames Wohnen, Leben und Arbeiten als beste Voraussetzung gesehen, um der Solidarität eine Plattform zu geben. Die Vorschläge im Gutachten reichen von Mehrgenerationenhäusern bis zu altersgemischten Hofgemeinschaften. An Börsen sollten Dienstleistungen zwischen Jung und Alt getauscht werden. Gemeinsame Begegnungsstätten könnten Kontakte ermöglichen. Malu Dreyer versprach, Konsequenzen aus dem Gutachten zu ziehen und darüber Rechenschaft abzugeben.