Gerät und Jugend gesucht

MAINZ. Helfer in der Not zu sein, ist ihr Geschäft, doch jetzt drohen die Feuerwehren selbst in Not zu geraten. Sie müssen mit zunehmend älterem Gerät ausrücken. Gleichzeitig werden die Feuerwehrleute immer weniger oder sind schwerer verfügbar. Die Wehren fürchten auf längere Sicht um den flächendeckenden Brandschutz.

Weil sich der Bund aus den Feuerwehraufgaben beim Katastrophenschutz zurückziehen will, drohen Gemeinden und Land zusätzliche Kosten von bis zu 13 Millionen Euro, davon allein neun Millionen in den nächsten fünf Jahren. Kommunen und Land zahlen die Ausrüstung der Wehren im Verhältnis 70 zu 30. Der inzwischen landesweit auf rund 100 Millionen Euro angewachsene Investitionsstau bei der Feuerwehr-Ausrüstung wird sich dann weiter verschärfen. Durchschnittlich ein Löschfahrzeug und einen Schlauchwagen pro Landkreis oder kreisfreie Stadt hat der Bund bislang einschließlich Unterhaltskosten finanziert. Dass damit jetzt Schluss sein soll, kann weder Feuerwehrverbandschef Otto Fürst noch Innenminister Karl Peter Bruch nachvollziehen. Nach dem Ende des Kalten Krieges habe sich die Gefahrenlage nicht aufgelöst, sondern lediglich verändert, sagt Fürst und verweist auf terroristische Bedrohungen und Kofferbombenfunde - auch in Koblenz. Bruch will den geplanten Rückzug des Bundes auf die Tagesordnung der nächsten Innenministerkonferenz setzen und hofft auf gemeinsamen Druck. Den Förderstau im Land führt der Feuerwehrverband unter anderem auf den Einsatz der Gelder aus der Feuerschutzsteuer für den Bau der Landesfeuerwehrschule in Koblenz zurück. Entsprechend weniger Mittel hätten für Ausrüstungsbeschaffung in den letzten Jahren zur Verfügung gestanden. Demnächst soll zum Ärger der Feuerwehren auch die Miete für die Schule aus der Steuer bezahlt werden. Um dem Berg der aufgelaufenen Förderanträge wenigstens die Spitze zu nehmen, fordert Fürst zehn bis zwölf Millionen Euro aus dem allgemeinen Landeshaushalt. Doch dabei zieht Bruch nicht mit. Auch wenn das Ministerium grundsätzlich einen Förderstau einräumt, sieht Bruch weniger das Problem in begrenzten Mitteln für den aktuellen tatsächlichen Bedarf. Für ihn stellt sich eher die Frage, wie der flächendeckende Brandschutz auch künftig personell sicherzustellen ist. Alte Ausrüstung schreckt Nachwuchs ab

Auch Bruch ist klar: "Wir bekommen keine jungen Leute, wenn wir ihnen altes Gerät hinstellen." Bei Neuanschaffungen wird vor allem auf kleinere, kostengünstigere Fahrzeuge gesetzt, die nur noch mit sechs statt neun Mann zum Ersteinsatz ausrücken und damit nicht teuer umgebaut werden müssen. Zudem soll stärker auf eine Zusammenarbeit zwischen den Kommunen geachtet werden. Bei Kooperationsprojekten bestehen schon jetzt größere Chancen auf eine schnellere Förderung. Dass neben den Finanzproblemen vor allem Personalsorgen die Floriansjünger umtreiben, bestätigt Gerhard Schlöder, Chef des Kreisfeuerwehrverbandes Bitburg-Prüm. Er hat erstmals im Land die Alterstruktur der Feuerwehren in seinem Kreis exakt erfasst und fürchtet, dass von den 225 Wehren in ein paar Jahren einige vor dem Aus stehen werden. Konkrete Beispiele will Schlöder nicht nennen, "um nicht zu demotivieren", wie er sagt. Doch die Nachwuchsprobleme seien vor allem in kleinen Orten groß, selbst wenn gute Arbeit bei den Jugendfeuerwehren geleistet werde. Erst recht wird es beim Personaleinsatz kritisch, wenn viele Feuerwehrleute auswärts arbeiten. Frank Leuwer vom Kreisfeuerwehrverband Daun kennt zwar keine Wehr, die in seinem Kreis unmittelbar gefährdet ist. Dass Wehren sich aus Personalnot zu Alarmierungsgemeinschaften zusammenschließen, weil Brände von einer allein nicht mehr bekämpft werden können, greift um sich. Immer häufiger stoßen Feuerwehrleute auch auf Vorbehalte bei ihren Arbeitgebern, die sie im Einsatzfall freistellen müssen. Was früher ein Pluspunkt bei der Bewerbung war, wird heute meist sehr zurückhaltend von den Arbeitgebern aufgenommen, weiß Paul Gerhards vom Kreisfeuerwehrverband Bernkastel-Wittlich aus Erfahrung. Nur selten gebe es positive Beispiele von Firmen, die Feuerwehrmänner unter ihren Mitarbeitern ausrüsteten und auch für Einsätze in der Gemeinde am Arbeitsort freistellten.

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