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Gerüchte, ein Maulkorb und ein Geschäftsbericht

Gerüchte, ein Maulkorb und ein Geschäftsbericht

Verunsicherte Kunden, reichlich Spekulationen: Aufsichtsratsmitglied Jochen Riebel sprach von einer drohenden Pleite des Flughafens Hahn. Nun entschied ein Gericht, dass sich der CDU-Politiker dazu nicht mehr äußern darf. Doch die Geschäftsführung hat im Jahresabschluss 2011 selbst die Zukunft des Airports infrage gestellt.

Die Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH hat am 12. März im Unternehmensregister den Jahresabschluss 2011 hinterlegt, der dem TV vorliegt. Dort heißt es: "Der Fortbestand unserer Gesellschaft ist aus heutiger Sicht, sofern die Trennung von Betrieb und Infrastruktur nicht erfolgen sollte, nach dem 30. März 2013 nur möglich, wenn weitere Maßnahmen der Gesellschafter und Gläubiger ergriffen werden."Aktuell wollen die Hahn-Geschäftsführer Jörg Schumacher und Wolfgang Pollety davon offenbar nichts mehr wissen. Sie stemmen sich gegen "Gerüchte", klagen gegen deren Folgen, haben vor Gericht den "Maulkorb" gegen Riebel erwirkt und erwägen rechtliche Schritte gegen ihn.Wie es um den Flughafen steht, zeigt der Jahresabschluss 2011. Die Hahn GmbH verfügt über 44 Millionen Euro Eigenkapital. Mit dem Flugbetrieb erzielt sie Gewinn, 2011 acht Millionen Euro. Dennoch muss das Unternehmen Jahr für Jahr Verluste ausweisen, weil es beispielsweise für seinen Schuldendienst (Zinsen, Tilgungen) enorme Summen aufbringen muss. Im vergangenen Jahr belief sich der Verlust deshalb auf 10,6 Millionen Euro. Der gesamte Schuldenstand Ende 2011: 138 Millionen Euro.Kritisch könnte für den Hahn ein Kredit bei der landeseigenen Investitions- und Strukturbank (ISB) werden. Die Tilgung der 12,7 Millionen Euro Schulden wurde zunächst bis 2013 gestundet. Wie es danach weitergeht, ist noch offen. Immerhin ermittelt die EU in zwei Verfahren wegen möglicher verbotener Leistungen des Landes für den Flughafen. Die Geschäftsführer sehen ein "rechtliches Risiko bezüglich der Rückforderung eventueller Beihilfen".Innenminister Roger Lewentz (SPD) arbeitet deshalb mit Hochdruck an der Trennung von Betrieb und Infrastruktur (Straßenzubringer, Kläranlagen), die von der Hahn-Geschäftsführung als notwendig angesehen wird.fcg