Gerüchte ohne Nährboden: Discounter haben entgegen allen Geredes keine Probleme mit Flüchtlingen

Gerüchte ohne Nährboden: Discounter haben entgegen allen Geredes keine Probleme mit Flüchtlingen

Bloß nicht alles glauben! In der Region kursieren hartnäckig Gerüchte, Discounter müssten schließen, weil Flüchtlinge alles "leerklauen" und "Mitarbeiter belästigen" oder gar verletzen. Die Recherche zeigt, dass das nicht wahr ist.

Trier/Bitburg/Hermeskeil. Mal geht es um Hermeskeil, mal um Trier-Nord. Mal ist Aldi angeblich betroffen, mal Lidl oder irgendein anderes Geschäft. Doch die Gerüchte, die in der Region Trier und im Internet kursieren und die nun von mehreren Lesern mit der Bitte um Aufklärung auch an den Trierischen Volksfreund herangetragen wurden, lauten alle ähnlich. Und sie sind - dies vorweg - an den Haaren herbeigezogen.

In Kneipen, beim Bäcker oder auf Facebook erzählt man sich, Flüchtlinge würden Läden angeblich "stürmen" und "leerklauen", Mitarbeiter würden "verletzt" und "belästigt", mit der Folge, dass "Filialen schließen" müssten. Wer jedoch mal an der Kasse nachfragt, erntet erstaunte Blicke.

"Erstunken und erlogen!"

Die Recherche zeigt, dass nichts davon wahr ist. Richtig wütend über die Gerüchte wurde die Leiterin der Hermeskeiler Lidl-Filiale. Nachdem sie von ihrer besorgten Schwiegermutter erfahren hatte, was man sich beim Bäcker erzählte, postete sie Folgendes auf Facebook und bat darum, es fleißig zu teilen: "Dass ich verletzt worden wäre, ist die schlimmste Lüge. Von vorne bis hinten erstunken und erlogen. Nochmal für alle Intelligenzflüchtlinge: Wir im Lidl Hermeskeil haben KEINE Probleme mit den Asylbewerbern. Sehr nette und höfliche Menschen, die unwahrscheinlich dankbar für jede nette Geste sind."

Die Pressestelle von Lidl Deutschland schreibt: "Wir können Ihnen mitteilen, dass keine Lidl-Filiale geschlossen wird und wir keine signifikante Zunahme der Diebstahldelikte in unserem Hause feststellen."

Keine Zunahme der Diebstähle

Auch Aldi schreibt: "Vermehrt auftretende Diebstähle, Übergriffe oder Belästigungen in unseren Filialen können wir nicht bestätigen." Edeka (Ratio) und Real äußern sich zu dem Thema nicht.

TV-Leser mutmaßen, dass die Gerüchte aus rechtsgerichteten Kreisen gezielt gestreut werden, um die Stimmung aufzuheizen. Womöglich glaubte so mancher, was er hörte, weil in einigen Märkten der Region deutlich erkennbares Sicherheitspersonal im Einsatz ist. kah

Extra

Die Zahl der Flüchtlinge vom Balkan hat sich seit Juli mehr als halbiert. In der letzten Augustwoche sind nach Informationen des Berliner Tagesspiegels aus den Staaten des westlichen Balkans nur noch 2586 Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Anfang Juli seien es noch 5445 in einer Woche gewesen. Doch auch die Juli-Zahlen deuteten bereits auf einen Rückgang der Asylbewerberzahlen aus der Region hin. Anfang des Jahres waren allein aus dem Kosovo zeitweise täglich mehr als 1000 Personen eingereist. Damit sei wegen der insgesamt steigenden Flüchtlingszahlen der Anteil der Balkan-Flüchtlinge in den vergangenen beiden Monaten von mehr als 30 Prozent auf zehn Prozent zurückgegangen. KNA

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