Gescheiterter Grüner steigt ins Ministerium auf

Mainz · Drei Mal ist der grüne Kommunalpolitiker Jens Voll im Kreis Mainz-Bingen bei der Beigeordnetenwahl durchgefallen. Jetzt geht er ins Familienministerium von Irene Alt.

Mainz. Ende Oktober 2011 trifft Jens Voll der dritte und vorerst letzte Nackenschlag. In Runde drei schafft es der grüne Kommunalpolitiker wieder nicht, im Kreis Mainz-Bingen zum zweiten Beigeordneten gewählt zu werden. Abweichler aus den eigenen Reihen bringen ihn zu Fall. Damit misslingt es ihm, die Nachfolge der früheren Sozialdezernentin Irene Alt anzutreten, die zur ersten grünen Familien- und Integrationsministerin aufgestiegen ist. Auf Kreisebene bricht die Koalition aus SPD, FWG und Grünen postwendend zusammen. Doch Voll fällt weich. Seit 1. März gehört er zum Leitungsstab des Alt-Ministeriums. Seine Stelle wurde eigens geschaffen. Ein Versorgungsposten für einen verdienten Grünen?
Trockenes Plätzchen


Immerhin dürfte das neue Wirkungsfeld von Jens Voll gut dotiert sein. Im Organigramm taucht er recht weit oben auf. Voll firmiert unter "Referent für politische Analyse und Koordination". Damit arbeitet er seiner neuen Chefin Irene Alt direkt zu. Die quirlige Ressortchefin gilt ohnehin als ein Typ Politikerin, die niemanden fallen lässt.
Jens Voll muss man zugute halten, dass sein spektakuläres Scheitern im vorigen Jahr nicht an persönlichen Defiziten festgemacht wurde. Bis heute ist nicht klar, wer ihm die Stimmen verweigerte. Insider schließen nicht aus, dass die Abweichler aus der SPD kamen, weil ihnen die Grünen zu mächtig wurden. Aber das ist lediglich Spekulation.
Am Freitag wird endgültig die neue Sozialdezernentin und Alt-Nachfolgerin im Kreis Mainz-Bingen gewählt. Doch dieses Mal hievt die Koalition aus CDU, FDP und FWG ihre Kandidatin auf den vakanten Sessel: die christdemokratische Landtagsabgeordnete Dorothea Schäfer, einstiges Mitglied der deutschen Nationalmannschaft im Sportschießen. Der politisch angeschossene Jens Voll wird ihre Wahl verkraften. Er hat unter dem Dach des Familienministeriums ein trockenes Plätzchen gefunden.

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