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Getrübte Stimmung unter rheinland-pfälzischen Gastronomen

Getrübte Stimmung unter rheinland-pfälzischen Gastronomen

Sie haben in Luftfilter, Heizstrahler und Hygienekonzepte investiert und erfassen die Daten ihrer Gäste. Dennoch müssen Gaststätten erneut für einen Monat schließen. Ihr Verband droht bereits mit Klagen.

Der neuerliche Teil-Lockdown trifft Gastronomen hart. Bars, Kneipen und Restaurants müssen ab Montag aufgrund der Corona-Pandemie für mindestens vier Wochen geschlossen bleiben. Der rheinland-pfälzische Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) drohte der Landesregierung mit einer Klage, falls sie nicht auf die geplanten Beschränkungen des Gastgewerbes verzichtet. Für die an diesem Freitag angesetzte Sondersitzung des Landtags erwarte er von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) einen Verzicht auf die angekündigten Maßnahmen und eine „tragbare Lösung“, sagte Dehoga-Präsident Gereon Haumann am Donnerstag.

„Sollte dies nicht möglich sein, dann werden wir den Klageweg bestreiten“, kündigte er an. „Wir werden das so nicht hinnehmen.“ 60 Prozent der Dehoga-Betriebe im Land seien schon jetzt existenziell bedroht. Dem Gastgewerbe drohe mit dem erneuten Lockdown der Kollaps, warnte Haumann. Die beabsichtigte Schließung werde keinen effektiven Beitrag leisten, um die Infektionszahlen zu senken.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) versprach „massive, in dieser Größenordnung bisher unbekannte Unterstützungsleistungen“. Konkret sollen Solo-Selbstständige und Betriebe mit bis zu 50 Mitarbeitern ihre Umsatzausfälle im Umfang von 75 Prozent des Umsatzes aus dem November 2019 ersetzt bekommen. Bei größeren Unternehmen sei es etwas weniger, sagte Scholz. Der Bund will dafür insgesamt rund zehn Milliarden Euro zur Verfügung stellen.

Einige der rheinland-pfälzischen Restaurants zeigten sich daher kämpferisch und leicht optimistisch. „Die Stimmung ist durchwachsen“, sagte der Restaurantleiter des Mainzer Bootshauses, Jens Hermann. „Wir haben ein stückweit mit den Schließungen gerechnet, wollten es aber nicht wahrhaben“ In den letzten Monaten seien Hygienekonzepte erarbeitet und zum Schutz der Gäste eine vier- bis fünfstellige Summe investiert worden, unter anderem in Heizpilze, Raumtrenner und Belüftungsanlagen, sagte Hermann. „Wir in der Gastro können jeden Gast nachverfolgen, wir wissen genau wann er wo mit wem gesessen hat.“ Für die getroffenen Maßnahmen hat der Mainzer Gastronom dennoch ein gewisses Verständnis. „Wir hoffen, dass es bei den vier Wochen bleibt“, sagte Hermann.

Auch rund 90 Kilometer weiter südlich sieht die Lage ähnlich aus. Die Stimmung am Deidesheimer Hof sei „gedrückt, schwierig und angespannt“, sagte Hanns-Georg Hahn, der Eigentümer des bekannten Pfälzer Gourmetlokals und Hotels. „Wir nehmen das so hin und fahren jetzt alles schnell runter.“ Ab Montag werde das Restaurant, genau wie im Frühjahr, wieder ein Abholservice einrichten. „Wir sind da ja jetzt geübt.“ Die Gäste seien „sehr bedrückt“, viele hätten sich bereits für das vorerst letzte Wochenende angemeldet.

Hahn hofft dass die Maßnahmen wirken und das Restaurant im Dezember wieder öffnen kann. Im Laufe des überdurchschnittlich guten und umsatzstarken Sommers seien rund 30 000 Euro investiert worden, zwei Drittel davon alleine in Luftreiniger. Die 70 festangestellten Mitarbeiter des Deidesheimer Hofs würden ab kommender Woche wieder in Kurzarbeit gehen, die Auszubildenden in die weiterhin geöffnete Berufsschule.

„Unser Glück ist, dass wir sehr breit aufgestellt sind und wir wissen, dass unsere Stammgäste wiederkommen“, sagte Hahn. Er gab sich optimistisch: „Wir können ja nicht den Kopf in den Sand stecken, es muss weitergehen.“ Auch in Mainz ruhen alle Hoffnungen auf dem Weihnachtsgeschäft, erklärte Hermmann, bevor „im Januar und Februar wieder die Sauregurkenzeit kommt“, eine generell umsatzschwache Phase für die Gastronomie.