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Kriminalität: Gewalt gegen Tier in der Region: Fliegende Kaninchen und gefolterte Pferde

Kriminalität : Gewalt gegen Tier in der Region: Fliegende Kaninchen und gefolterte Pferde

Misshandelte Tiere gehören für Ermittler zum traurigen Arbeitsalltag. Große Sorge bereitet derzeit ein Serie von Angriffen auf Pferde.

Die Deutschen lieben Hunde, Katzen oder Pferde wie kaum eine andere Nation in Europa. 30 Millionen Haustiere leben Schätzungen zufolge in deutschen Haushalten. Viele von ihnen geliebt und verwöhnt wie Familienmitglieder.

Doch gibt es auch Menschen die Tiere misshandeln, erstechen, erschlagen oder vergiften. Taten, die Jahr für Jahr zum Arbeitsalltag von Behörden und Polizei gehören. Begangen von Tätern, die nur sehr schwer zu fassen sind.

Manche Fälle muten skurril an. Allerdings nur auf den ersten Blick. So landete eines Tages „das fliegende Kaninchen“ auf den Schreibtischen der drei Ermittler, die sich beim Trierer Kommissariat für Umweltkriminalität unter anderem um Straftaten kümmern, bei denen Tiere zu Schaden kamen. Ein Trierer hatte beobachtet, wie sein Nachbar ein Kaninchen aus seinem Fenster im dritten Stock warf. Das Tier starb qualvoll.

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In einem anderen Fall hatten Partygäste Alkohol im Aquarium entsorgt, der den darin schwimmenden Fischen überhaupt nicht bekam. Dann wären da noch die Fälle der verschwundenen Weinbergsmauern. Nachdem Winzer in bei Trier und an der Saar Hänge bearbeitet hatten, waren sie weg. „Da ist man schnell im Bereich von Ordnungswidrigkeiten oder Straftaten“, sagt einer der Polizisten. Denn mit den Mauern verschwanden auch die Biotope der streng geschützten Mauereidechsen.

Andere Fälle sind von so großer Brutalität, dass sie Schrecken verbreiten, der sich in den sozialen Netzwerken vervielfacht, sobald die Öffentlichkeit davon erfährt. Darunter eine Serie von Angriffen auf Pferde. Die Region selbst blieb jüngst zwar verschont. Doch schlagen der oder die Täter in den vergangenen Jahren verstärkt nur knapp jenseits ihrer Grenzen zu: in der Nähe von Idar-Oberstein,  in Luxemburg oder im Rhein-Hunsrück-Kreis. Mal kippen sie Essigsäure oder Rattengift in die Tränke. Mal fügen sie den Pferden Messerschnitte zu. Mal binden sie die Tiere fest und vergehen sie sich sexuell an ihnen. Besonders brutal war der Angriff auf eine Stute in der südwest-luxemburgischen Gemeinde Reckingen-Mess, die an ihren schweren Verletzungen starb.

Das Landeskriminalamt rät, den Tätern deutlich zu machen, dass die Tiere geschützt werden: Zum Beispiel, indem man mit Schildern auf Videoüberwachung hinweist oder darauf, dass regelmäßig jemand vorbeikommt. Auch ein stabiler Elektrozaun, Wachhunde, Bewegungsmelder und häufige Präsenz könne helfen. Zudem solle man die Vorfälle so schnell wie möglich anzeigen, um die Chance zu erhöhen, den Täter zu schnappen.

Nach einer ganzen Serie solcher Vorfälle im Rhein-Hunsrück-Kreis hat die Rhein-Zeitung einen Psychiater danach befragt, was das für Menschen sind, die Tiere derart bestialisch quälen. Die Antwort: Jemand, der beruflich und privat ganz unten sei, weder Partner noch Freunde habe und der die Macht auf Tiere ausübe, um sich wahrgenommen zu fühlen. Das Pferd werde deshalb als Opfer gewählt, weil es für viele Menschen eine hohe emotionale Bedeutung habe. Seit dem 1. Januar 2018 hat es landesweit bereits mehr als zehn solcher Fälle gegeben. Eine mögliche Serie, die dem Landeskriminalamt Sorgen bereitet.

Einer der grausigsten Funde in der Region wurde 2013 auf einer Weide in Konz-Kommlingen gemacht: Ein Unbekannter hatte einer Kuh das halbe Gesicht abgetrennt. Ebenfalls in Konz wurde 2014 ein noch lebendes Lamm mit drei Löchern im Kopf entdeckt, die wahrscheinlich von einem Bolzenschussgerät stammten: eine gescheiterte Schlachtung. Immer wieder waren dort Lämmer von der Weide gestohlen worden.

Sie sind niedlich und werden von ihren Haltern meist innig geliebt. Haustiere werden allerdings auch immer wieder zu Opfern brutaler Gewalt. Foto: picture alliance / Sebastian Wil/Sebastian Willnow

Hinzu kommen immer wieder Fälle vergifteter Katzen und Hunde, von denen die Trierer Beamten auch aktuell mehrere bearbeiten. Taten, die schon deshalb schwer zu beweisen sind, da der Nachweis von Gift sehr komplex und zeitintensiv ist. Den Ermittlern zufolge dauert es oft ein halbes Jahr, ehe eine chemische Analyse Gewissheit gibt. Noch schwerer ist es, den Tätern auf die Spur zu kommen. Vor allem, wenn niemand etwas beobachtet hat. Daher rät die Polizei, Hunde an der Leine zu lassen und gut auf sie aufzupassen.