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Gewaltsamer Tod bei Überfall auf Spedition: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen vier Tatverdächtige

Gewaltsamer Tod bei Überfall auf Spedition: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen vier Tatverdächtige

Neuneinhalb Jahre nach dem Überfall auf einen Paketdienstleister im Industriegebiet Mehren (Vulkaneifelkreis), bei dem der 54-jährige Geschäftsführer ums Leben kam, hat die Staatsanwaltschaft Trier gegen vier Tatverdächtige Anklage erhoben.

 In dieser Spedition in Mehren fiel der 54-jährige Leiter der Unternehmens-Filiale in der Nacht vor Heiligabend 2005 einem Raubmord zum Opfer. (Archivbild)
In dieser Spedition in Mehren fiel der 54-jährige Leiter der Unternehmens-Filiale in der Nacht vor Heiligabend 2005 einem Raubmord zum Opfer. (Archivbild) Foto: Helmut Gassen

Die Staatsanwaltschaft Trier hat gegen vier Männer im Alter zwischen 28 und 45 Jahren Anklage wegen des Verdachts des gemeinschaftlichen Raubes mit Todesfolge erhoben. Nach dem Ergebnis der Ermittlungen hält sie die Angeschuldigten für hinreichend verdächtig, an dem Überfall auf dem Gelände eines Paketdienstleisters im Industriegebiet von Mehren am 23. Dezember 2005 beteiligt gewesen zu sein, bei der der damals 54-jährige Geschäftsführer der Firma getötet wurde.
Für wahrscheinlich hält die Staatsanwaltschaft diesen Tatablauf:

Am späten Abend des 23. Dezember 2005 suchten die vier Männer das in der Nähe der A 1 gelegene Betriebsgelände eines Speditionsunternehmens in Mehren auf, um dort Geld und Wertsachen zu erbeuten. Da sie die Geschäftsabläufe kannten, sollen die Männer davon ausgegangen sein, an diesem Abend wegen des Weihnachtsgeschäftes einen besonders hohen Geldbetrag erbeuten zu können. Sie seien entschlossen gewesen, dazu gewaltsam gegen den Geschäftsführer vorzugehen.

Dieser war zu der späten Uhrzeit als letzter Mitarbeiter alleine auf dem Betriebsgelände. Nachdem die Tatverdächtigen an der Zugangstür einer Firmenhalle auf den Geschäftsführer trafen, sollen ihn die einer oder mehrere der Männer niedergeschlagen haben. Der Geschäftsführer wurde mehrmals mit mindestens einem bislang unbekannten Gegenstand gegen Kopf und Oberkörper geschlagen. Dabei erlitt er so schwere Verletzungen, dass er später starb. Die vier Männer sollen den Schlüsselbund des Opfers an sich genommen und mehrere tausend Euro Bargeld aus dem Tresor der Firma gestohlen haben.

Heiße Spur erst 2014

Nach dem Verbrechen waren die Ermittler, so die Staatsanwaltschaft, zunächst einer Vielzahl von Spuren nachgegangen, ohne die Tat aufklären zu können. Erst nach einem Bericht über den Fall am 16. April 2014 in der ZDF- Sendung "Aktenzeichen XY…ungelöst" erhielten die Fahnder von einem Zuschauer einen Hinweis und konnten einen Tatverdächtigen ermitteln. Der 30-jährige Mann aus dem Kreis Cochem-Zell war bereits in der Vergangenheit durch Einbruchsdiebstähle in ähnliche Objekte auffällig geworden. Er soll sich nach den Aussagen von Zeugen im Jahr nach der Tat und einige Jahre später mehrmals selbst der Tat bezichtigt und dabei einen heute 45-Jährigen, der damals ebenfalls dort lebte, als Mittäter benannt haben. Auch dieser Mann war in der Vergangenheit bereits mit ähnlichen Einbruchsdiebstählen aktenkundig. Beide Tatverdächtige wurden im Dezember vergangenen Jahres festgenommen und befinden sich seitdem in Untersuchungshaft.

Im Rahmen der weiteren Ermittlungen ermittelten die Fahnder Anfang dieses Jahres eine Person aus dem damaligen persönlichen Umfeld des 45-jährigen Tatverdächtigen. Dieser Person hatte der 45-Jährige von der Tat erzählt und die Namen zweier weiterer Mittäter genannt. Bei diesen handelt sich um einen 38-Jährigen und dessen 28-jährigen Schwager aus dem Vulkaneifelkreis.

Beide gehörten nach den bisherigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft 2014 ebenfalls zu einer Bande um den tatverdächtigen 45-Jährigen, die Einbrüche in ähnliche Unternehmen verübte. Sie wurden Anfang Februar 2015 festgenommen und sind seitdem ebenfalls in Untersuchungshaft.

Anfang 2015 ermittelten die Fahnder zwei weitere Verdächtige: einen 38-Jährigen und dessen 28-jährigen Schwager aus dem Vulkaneifelkreis. Sie wurden Anfang Februar 2015 festgenommen und sind seitdem ebenfalls in Untersuchungshaft.

Alle Angeschuldigten bestreiten die Tatvorwürfe. Einer der Tatverdächtigen behauptet allerdings, der 45-Jährige habe die Tat geplant und ihn angestiftet, mitzumachen, was er jedoch abgelehnt habe.

Die Anklage ist vor der Großen Jugendkammer des Landgerichts Trier erhoben worden. Diese ist zuständig, weil der jüngste Angeschuldigte zum Tatzeitpunkt noch Heranwachsender war. Über die Eröffnung des Hauptverfahrens ist bisher nicht entschieden. Ein Termin für die Hauptverhandlung steht daher noch nicht fest.

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