Gewisse Parallelen

TRIER. Nach dem Mord an einer Düsseldorfer Prostituierten, deren Leiche in einem Fischweiher bei Bad Kreuznach gefunden wurde, prüft die Polizei mögliche Parallelen zu einem ähnlich gelagerten Verbrechen bei Trier. Auf einem Parkplatz zwischen Schweich und Hetzerath war vor dreieinhalb Jahren die Leiche einer ermordeten Frau gefunden worden. Von dem Täter fehlt noch jede Spur.

Ende April machen Spaziergänger in Bad Sobernheim (Kreis Bad Kreuznach) eine grauenvolle Entdeckung: In einem Fischteich treibt die Leiche einer Frau. Besonders auffällig: Die Tote ist an den Händen gefesselt. Wie die Obduktion ergibt, wurde das Opfer lebend in den Teich geworfen. Die Frau ertrank. Anhand der Fingerabdrücke können die Ermittler das Opfer identifizieren. Bei der Ermordeten handelt es sich um die 51-jährige Prostituierte Karin Ammer. Nach Erkenntnissen nordrhein-westfälischer Ermittler ging Ammer auf den Straßenstrich in der Düsseldorfer Charlottenstraße.Wie und mit wem die 51-Jährige in der Nacht ihrer Ermordung von Düsseldorf in die Nähe von Bad Kreuznach kam, ist für die Ermittler noch ein Rätsel. Ähnlich wie bei einem Mord, der mittlerweile fast dreieinhalb Jahre zurückliegt und bei dem ebenfalls eine Prostituierte Opfer eines Gewaltverbrechens wurde.

Am 1. Januar 2003 entdeckte ein Autofahrer auf einem Parkplatz an der Landesstraße 141 zwischen Schweich und Hetzerath die Leiche einer 30-jährigen Frau, der Kölnerin Simone "Simi" Dewenter. Anhand der Obduktion und Spuren kommen die Ermittler der Trierer Mordkommission zu dem Schluss: Die Frau wurde vermutlich vor Ort umgebracht und missbraucht.

Die von Geburt an fast gehörlose Simone Dewenter war am Tag ihres Verschwindens, dem 29. Dezember 2002, mit einer Freundin "zur Arbeit" auf den Straßenstrich in Bonn-Endenich gefahren. Gegen 21.20 Uhr beobachtete die Freundin, wie Simone in einen weißen Lieferwagen stieg - danach sah sie "Simi" nie wieder.

Möglicherweise war der Lieferwagen-Fahrer Simones letzter Freier - und auch ihr Mörder. Die Leiche der 30-Jährigen wurde erst zwei Tage später gefunden - auf dem 150 Kilometer von Simone Dewenters "Arbeitsplatz" entfernten Parkplatz "Azert" bei Schweich.

Seitdem suchen die Beamten der Trierer Mordkommission gemeinsam mit nordrhein-westfälischen Kollegen Simis Mörder - bislang vergeblich. Auch eine Ausstrahlung des Falls in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen xy ungelöst", eine Fahndungsplakat-Aktion und die ausgesetzten 5000 Euro Belohnung brachten zwar jede Menge "heiße Tipps", aber eben keinen Täter.

Die Polizei prüft derweil, ob es zwischen den beiden Prostituierten-Morden in Schweich und Bad Sobernheim eine Verbindung gibt. Bernd Michels, Chef der Trierer Mordkommission, ist in die Ermittlungen seiner Kollegen der "Soko Teich" von Beginn an einbezogen. Bis dato allerdings deute nichts darauf hin, dass Simone Dewenter und Karin Ammer von demselben Täter getötet worden seien. "Da gibt es zwar gewisse Parallelen", sagte Michels gestern dem TV, "aber keine stichhaltigen."

Der Trierer Chef-Ermittler ist dennoch zuversichtlich, Simones Mörder eines Tages zu schnappen: "Wir haben seinen genetischen Fingerabdruck", sagt Michels. Und unter Verweis auf die bundesweit laufende nachträgliche Speicherung von DNA-Daten einschlägig vorbestrafter Täter: "Das war jemand, der nicht zum ersten Mal in Erscheinung getreten ist."

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