"Glaubst Du, ich habe es getan?"

"Glaubst Du, ich habe es getan?"

Mit der Vernehmung ehemaliger Freundinnen des 51-jährigen Angeklagten ist gestern vor dem Trierer Landgericht der Prozess um die Ermordung der 18-jährigen Lolita Brieger vor 30 Jahren fortgesetzt worden.

Trier. Sie habe Angst gehabt, sich ständig beobachtet gefühlt. Der Druck auf sie sei immer größer geworden. Noch heute erinnert sich die mittlerweile 45-Jährige mit Unbehagen an die letzten Monate zurück, die sie Mitte der 1990er Jahre bei Josef K. in Scheid (Vulkaneifelkreis) auf dem Bauernhof erlebt hat. Zunächst habe sie sich wohlgefühlt. Auch wenn das Leben fast nur aus Arbeiten bestanden habe, erinnert sich die Frau. Sie hatte K. 1996 kennengelernt, nachdem sie mit ihren Eltern nach Jünkerath gezogen war und einen Stellplatz für ihr Pferd suchte. Sie habe das Tier in den Stall von K. stellen dürfen. Schnell seien sie und der Landwirt, der zu dieser Zeit noch in erster Ehe verheiratet war, sich näher gekommen. Vermutlich war sie, die Freundin, auch der Grund, warum K.s Frau das Haus verließ. Direkt am nächsten Tag sei sie eingezogen, sagt die Zeugin. K. sei mit dem Hof überfordert gewesen Das eigentliche Sagen habe sein Vater gehabt.
Vom Verschwinden der 18-jährigen Lolita Brieger aus dem Nachbarort Frauenkron im Jahr 1982 habe sie kurz vor ihrem Einzug auf den Bauernhof erstmals durch eine Fernsehsendung erfahren. K. und seine Frau hätten bei einem Besuch bei ihrer Familie auffallend reagiert, als das Thema zur Sprache gekommen sei. Einen Verdacht habe sie da aber noch nicht gehabt.
Erst als sie später in der Wohnung, versteckt unter Tischdecken, eine Mappe mit Zeitungsausschnitten über den Fall gefunden habe, sei sie misstrauisch geworden. Er sei zwar mal mit Lolita zusammengewesen, habe aber nichts mit ihrem Verschwinden zu tun, soll K. ihr gesagt haben. Und: Lolita sei schwanger gewesen, sein Vater habe ihr 20 000 Mark angeboten für eine Abtreibung in Holland. Weiter habe K. ihr damals gesagt, Lolita lebe dort und arbeite als Prostituierte.
Seitdem sie die Mappe gefunden habe, habe sie sich ständig beobachtet gefühlt, sagt die Zeugin - von K., aber auch von dessen Mutter. Sie habe sich immer unwohler auf dem Hof gefühlt. "Ich habe bei jedem Schritt Angst gehabt, unter mir könnte Lolita begraben liegen", umschreibt die heute 45-Jährige ihre Angst. Irgendwann habe sie dann ihre Sachen gepackt und sei ausgezogen. Als sie danach noch einmal auf den Hof gekommen sei, habe K. sie mit einer Mistgabel bedroht. "Ich traue ihm aber nicht zu, dass er Lolita alleine umgebracht hat", sagt sie der Vorsitzenden Richterin Petra Schmitz.
Ein ganz anderes Bild von "Jupp", wie K. von seinen Bekannten genannt wird, zeichnet eine andere Ex-Freundin. Sie hat ihn mit 15 Jahren, als sie mit ihren Eltern Ferien in der Eifel machte, Ende der 1970er Jahre kennengelernt und war ein paar Wochen mit ihm zusammen. "Ich würde ihm die Tat nicht zutrauen", sagt die Frau. Sie hatte bis kurz vor seiner Verhaftung im September vorigen Jahres Kontakt mit K. Man habe regelmäßig telefoniert oder sich SMS übers Handy geschickt, berichtet sie.
So ist sie denn auch ins Visier der Ermittler geraten. Nach der Ausstrahlung des Falls Lolita Brieger in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY … ungelöst" im August 2011 wurden sämtliche Telefone K.s und seiner Familie durch die Ermittler abgehört. Die Beamten erhofften sich so Hinweise auf den Verbleib der damals 18-Jährigen. Unter anderem wurde auch ein Gespräch von K.s Ex-Freundin mit dessen Bruder aufgezeichnet, in dem es auch um Lolita gegangen sein soll.
Eine Nachbarin von K. bezeichnet den Landwirt als Angeber und Aufschneider. Und als jemanden, der immer auf der Suche nach anderen Frauen gewesen sei. Auch während seine zweite Frau, mit der er einen Sohn hat, noch bei ihm gewohnt habe. Als die Nachbarin ihn nach Lolita gefragt habe, soll er gesagt haben: "Glaubst du, dass ich es gewesen bin?" "Das", so habe sie ihm geantwortet, "kann nur einer wissen. Und das bist du."
Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Dann soll sich eine Gutachterin zur Ursache des Todes von Lolita Brieger äußern.

Mehr von Volksfreund