"Gott möge die Spender belohnen"

"Gott möge die Spender belohnen"

TRIER. Wohl nur wenigen Menschen hat das Schicksal so übel mitgespielt wie Razlina Reichardt Binti M. Alizar. Seit die tödliche Flutwelle über ihre indonesische Heimatregion schwappte, vermisst die seit langem in Trier lebende Frau 30 Angehörige. Nach einem TV -Bericht meldeten sich zahlreiche Leserinnen und Leser und boten der 40-Jährigen Hilfe an.

"Meine Familie und ich sind allen Spendern sehr, sehr dankbar. Gott möge sie für ihre Unterstützung reich belohnen." Razlina Reichardt kann selbst kaum fassen, wie viele Menschen sich seit dem TV -Bericht Anfang Januar bei ihr gemeldet und Hilfe angeboten haben. Viele spendeten Geld, andere tröstende Worte. "Schön, dass die Leute so sehr mitfühlen", sagt Razlina Reichardt. Die Mutter zweier Töchter stammt aus der Provinz Aceh im Norden der indonesischen Insel Sumatra. Hier forderte die Flutkatastrophe am zweiten Weihnachtstag besonders viele Opfer; Tausende sind noch vermisst, Hunderttausende obdachlos. Allein in der Gegend um die Provinzhauptstadt Banda Aceh werden nach Auskunft der örtlichen Behörden jeden Tag etwa 2000 Tote geborgen. Razlina Reichardt vermisst 30 Angehörige, darunter ihren Bruder und ihre Schwester mit deren Familien. Dass sie noch am Leben sind, glaubt fast vier Wochen nach der tödlichen Flut auch die seit 14 Jahren mit ihrem Ehemann in Trier wohnende Frau nicht mehr. In ihrer alten Heimat geben einige von Razlinas Verwandten derweil die Hoffnung nicht auf; besonders, seit ein Wahrsager einer ihrer Schwestern prophezeiht habe, es gebe überlebende Angehörige, die sich auf eine Insel gerettet hätten. "Ein Strohhalm, nicht mehr", meint die Triererin. Von offizieller Seite hat die Familie bislang noch keine Nachricht erhalten, ob einer der Vermissten unter den zwischenzeitlich geborgenen Toten ist. Trotz des großen Engagements der internationalen Hilfsorganisationen fehlt es vielen Überlebenden auf Sumatra am Allernotwendigsten: Lebensmittel, Kleidung, einem Dach über dem Kopf. Razlina Reichardt, selbst finanziell nicht auf Rosen gebettet, tut aus dem fernen Deutschland alles, um ihren von der Flut so schwer getroffenen Angehörigen das (Über-)Leben ein wenig zu erleichtern. Mehrfach hat sie auf der Postbank Geld eingezahlt, das ihre Verwandten schon eine Stunde später in Indonesien abheben konnten. "Für umgerechnet fünf Euro gibt es einen Zentner Reis", sagt sie. Die Preise für Fisch oder Fleisch seien nach der Flut drastisch gestiegen - Folge der Knappheit und der schwierigen Versorgungssituation vor Ort.Geld und gute Worte

Dass Razlina Reichardt ihren Verwandten in Indonesien helfen kann, verdankt die Mutter zweier sechs und zehn Jahre alten Töchter nicht zuletzt den zahlreichen Spenden, die sie nach dem Bericht unserer Zeitung ( TV vom 6. Januar) erhalten hat. "So viele Leute haben sich bei uns gemeldet", sagt sie, "und alle waren so nett". Auf Razlinas Arbeitsplatz in einem Trierer Altenheim ging die Spendendose herum, Freunde sammelten Geld im Bekanntenkreis, Schulen, unter Lehrern und Schülern. Und auch viele Privatleute, die das Schicksal der Familie nur aus der Zeitung kennen, boten Unterstützung an. Erst gestern Morgen bekam die Familie Reichardt Besuch von gleich drei Chor-Vorständen. Stolze 1000 Euro hatte die Chorgemeinschaft MGV Liederkranz Strohn/MGV Liederkranz 1896 Wallscheid unter ihren Mitgliedern und Freunden gesammelt, um den überlebenden Angehörigen der Triererin zu helfen. Andere helfen nicht mit Geld, sondern mit guten Worten. "Eine Frau hat mich zum Kaffee eingeladen, um mir Trost zu spenden", erzählt Razlina Reichardt. Auch über diese Geste habe sie sich sehr gefreut.