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Gotteslästerung? Wallung bei Wupptus-Begräbnis

Gotteslästerung? Wallung bei Wupptus-Begräbnis

TRIER. Mit einem Eklat ist am Dienstagabend in der regionalen Karnevalshochburg Trier die närrische Zeit zu Ende gegangen. Als "makaber und geschmacklos" empfand das Trierer Prinzenpaar die traditionelle Wupptus-Beerdigung der KG Trier-Süd. "Das ist Brauchtum", kontern die Karnevalisten.

In der Nacht vor Aschermittwoch ist für echte Narren alles vorbei. An vielen Orten wird der Karneval am Dienstagabend symbolisch zu Grabe getragen. Mal läuft diese Zeremonie feucht-fröhlich ab, mal fließen Tränen wie bei einer richtigen Beerdigung. Bei der Karnevalsgesellschaft Trier-Süd ist das so genannte Wupptus-Begräbnis traditionell eine Mixtur. Schon seit knapp 30 Jahren wird in der Halle am Bach nach einem deftigen Heringsessen ein bisschen getrauert und ein bisschen gefeiert, bis sich der Sargdeckel schließt und Wupptus seine keinesfalls ewige Ruhe findet.Hände zum Himmel

Traditionell ist bei diesem närrischen Spektakel auch das Trierer Prinzenpaar dabei, sogar Teil des Programms. Als sichtbares Zeichen, dass nun wirklich Schluss mit lustig ist, werden dem Prinzen die Straußenfedern abgezogen, und die Prinzessin setzt ihre Krone ab. Am Dienstagabend mussten die fröhlich trauernden Narren erstmals auf das königliche Ritual verzichten. Während auf der Bühne der Bär tobte, saß das Trierer Prinzenpaar samt Gefolge mit finsteren Mienen und ungewohnt unlustig im Publikum. "So etwas habe ich wirklich noch nie erlebt", sagt KG-Präsident Willi Faldey. Ähnlich äußert sich am Tag danach auch das Prinzenpaar, besser gesagt nur die Prinzessin, weil ihr heiserer Prinz Erwin II. immer noch nicht wieder reden kann. "Hätte ich gewusst, was mich da erwartet, wäre ich nicht hingegangen", sagt Barbara I. Stein des Anstoßes: Die Wupptus-Beerdigung war nach Ansicht der beiden hauptberuflich beim Trierer Bistum beschäftigten Regenten zu sehr an ein normales katholisches Begräbnis angelehnt. "Das sah aus wie in einer richtigen Leichenhalle", sagt Prinzessin Barbara, "es war makaber und geschmacklos." Dass es in der Trierer Halle am Bach am Dienstagabend tatsächlich ein wenig ausgesehen haben mag wie bei einem echten Begräbnis, kann die Trier-Süder kaum verwundern. Schließlich ist ihr Vizepräsident und "Wupptus-Grabredner" Werner Franzen auch im richtigen Leben ein Mann vom Fach - Bestatter eben. Der hatte nach eigenen Angaben "schon etwas geahnt" und seine Rede vorsorglich leicht entschärft - "weil die ja so fromm sind". Statt Jesus oder Gott sei der "Heilige Jokus" angerufen worden, statt "Amen" habe er "Helau" gesagt.Prinzenpaar filmen verboten

Und gesungen wurde aus dem Narrenlob das Lied 4711: die Hände zum Himmel. "Nichts Gotteslästerliches", meint Franzen, und sein Präsident Willi Faldey pflichtet ihm bei: "Wir haben nichts gegen die Kirche gebracht." Prinz Erwin II. (Verkaufsleiter bei den bischöflichen Weingütern) und Prinzessin Barbara I. (Theologin im Generalvikariat) sahen das allerdings anders. Den beiden Regenten war am Dienstagabend offenbar nicht nur das Spektakel peinlich, sondern auch die eigene Anwesenheit. Einem anwesenden Fernsehteam des Südwestrundfunks ließen die beiden närrischen Monarchen durch den Präsidenten der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval, Peter Pries, ausrichten, man wolle nicht gefilmt werden. "Wenn die mich zeigen, werde ich rechtliche Schritte einleiten", drohte Prinzessin Barbara I. auch am Mittwoch noch. Der zuständige SWR-Reporter nimmt's gelassen: "An Aschermittwoch fühlen wir uns an Anordnungen des Trierer Prinzenpaares nicht mehr gebunden." Die beiden mittlerweile wieder ins zivile Leben zurückgekehrten Regenten flimmerten gestern Abend in der Landesschau trotzdem über die Mattscheibe - versehen mit klitzekleinen Augenbalken. Auch die KG Trier-Süd lässt die Kritik der beiden närrischen Hoheiten kalt. "Wir haben uns nichts vorzuwerfen", sagt Präsident Willi Faldey, "auch im nächsten Jahr wird der Wupptus wieder nach alter Tradition begraben."