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Greift Malu Dreyer in Bundes-SPD nach den Sternen? Nach Traumergebnis wird Triererin sogar als künftige Kanzlerkandidatin gehandelt.

Trier/Mainz/Berlin : Mensch, Malu! Greift Dreyer in der Bundes-SPD nach den Sternen?

Ministerpräsidentin Dreyer legt das beste Ergebnis im SPD-Bundesvorstand hin. Manch einer handelt die Triererin schon als künftige Kanzlerkandidatin. Ist das möglich?

Persönlich twittert Malu Dreyer nicht. Noch nicht. So hat die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin am Donnerstag einiges an Gezwitscher in dem sozialen Netzwerk verpasst, das sich um den Hashtag #Malu drehte. 97,5 Prozent legte die Triererin bei ihrer ersten Wahl zur Bundes-Vize der SPD hin, das beste Ergebnis im Vorstand, während oft gehandelte Kanzlerkandidaten wie Olaf Scholz von den Delegierten mit 59,2 Prozent abgespeist wurden. Ein oft geäußerter Tenor von Twitter-Nutzern: Damit sei wohl klar, wer die Nummer eins in der SPD hinter Parteichef Martin Schulz sei - und vielleicht auch eine mögliche Kanzlerkandidatin der Zukunft: #Malu, klar.

Die Landeschefin wehrt das auf TV-Anfrage als „absolute Spekulation“ ab. Die 56-Jährige sagt, beim Doppelwahljahr 2021 im Bund und im Land gucke sie nach Mainz, nicht nach Berlin. „Mein Ziel ist es, dann erneut als Ministerpräsidentin anzutreten und die Wahl zu gewinnen.“ Dreyer sagt zugleich, sie sei „überwältigt von einem tollen Ergebnis“. Auf Bundesebene wolle sie nun voranschreiten, indem sie im Vorstand und innerhalb der Partei die Verständigung suche. Sie wolle, dass die SPD auch in der digitalen Zeit die Partei der Arbeit bleibe und dass die SPD sich nach der Bundestagswahl erneuere.

Kein Geheimnis ist, dass die Delegierten in Berlin Dreyer auch dafür huldigten, sich kritisch gegen eine große Koalition ausgesprochen zu haben. Der Trierer SPD-Delegierte Sven Teuber berichtet von einem riesigen Interesse an der Rheinland-Pfälzerin. „Die Partei lechzt genau nach so einem Politiker-Typus. Malu schwimmt nicht nach dem Strom, erreicht die Seele der Basis, hört offen zu.“ Dietmar Muscheid, Landesvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, sagt: „Sie ist die Hoffnungsträgerin der SPD, eine Projektionsfläche für alle, die sich nach Erneuerung sehnen.“

Große Worte, die zugleich große Erwartungen bedeuten. Kenner der Ministerpräsidentin halten es für glaubhaft, dass die Triererin lieber in Rheinland-Pfalz bleiben würde als nach Berlin zu streben, wo es ihr bislang an einem Machtzentrum fehle. Es gebe mehr Flügeldenken, mehr Ränkespiele, warnen Beobachter. Immer noch plagen die rheinland-pfälzischen Genossen Bauchschmerzen, wenn sie sich an Kurt Beck erinnern, der einst entnervt von aufreibenden Machtkämpfen als Bundesvorsitzender zurücktrat. Das Familiäre, Harmonische, das Dreyer an Rheinland-Pfalz schätze, drohe in der Berliner Dunstglocke verloren zu gehen, mahnen Bedenkenträger an.

Anderseits sei Malu Dreyer auch ein anderer Typ als Kurt Beck, heißt es dann aber sogleich. Eine Frau, die sich zuletzt auf dem Parkett der großen Politik bewährte, die als Bundesratspräsidentin nach Frankreich, Israel, Kanada oder Uruguay reiste. Bei Parteigrößen hat sie Respekt erworben. Martin Schulz sagte vor Wochen in Mainz: „Jede Minute mit Malu ist eine gute Minute.“ Dabei ist Dreyer nicht nur die nette Malu. Als Landeschefin hat sie bei der Kabinettsumbildung 2014 Härte bewiesen. In der Koalition mit FDP und Grünen führte sie fremde Lager dagegen geschickt zusammen. Eine Lücke bei der Nachfolge im Land dürfte kaum ein Argument sein, da mit SPD-Fraktionschef Alexander Schweitzer und dem Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling bereits zwei Kandidaten gehandelt werden. Und wenn es um Verantwortung geht, sagen Beobachter, habe Dreyer diese zwar nie verbissen angestrebt, aber auch nie abgelehnt, wenn sie ihr angetragen wurde. Wie 2013, als die einstige Sozialministerin überraschend auf Kurt Beck folgte.

Der Trierer Parteienforscher Uwe Jun sagt, es sei für Dreyer ein Vorteil, nicht mit dem Berliner Establishment verbandelt zu sein, dem die Basis beim Parteitag kritisch gegenüber gestanden habe. An Spekulationen beteiligt er sich nicht. Die SPD sei auf der Suche nach sich selbst, nach Orientierung. Darum gehe es nun. Danach dürfte es aber auch wieder um Personalien gehen. Und eins ist nach dem Bundesparteitag klar: #Malu ist im Rennen.

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