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Große Lücken in der Bibliothek

Große Lücken in der Bibliothek

Studenten bewerten die Ausstattung der Hochschulen im Land schlecht. Der Trierer FH-Präsident Bert Hofmann: "Wir sind im Ländervergleich miserabel dran." Rheinland-Pfalz belegt nur Rang elf.

Mainz. Die Ausstattung der Hochschulen von den Computern über die Bibliothek bis zu Raumangebot und Laboren ist nicht nur einer der entscheidenden Faktoren für die Uni-Auswahl der Studenten, sondern auch für ihre Arbeitsbedingungen. Keine guten Noten erhielten bei einer bundesweiten Befragung von insgesamt 75000 Studierenden durch das Gütersloher Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) die rheinland-pfälzischen Universitäten und Fachhochschulen: Sie landeten im Vergleich der 16 Länder auf Rang elf, weil im Schnitt kaum jeder vierte (23,7 Prozent) Studierende seiner Hochschule einen Spitzenplatz zubilligt.Viel positiver fiel das Studenten-Votum in den neuen Ländern aus, die die ersten vier Plätze belegten. In Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern sieht jeder zweite Student die Ausstattung als spitze an. Besonders unzufrieden sind die Nachwuchs-Akademiker im Land mit den Arbeitsbedingungen in den Bibliotheken, die nur jeder achte für gut befindet. Auch die Labor-Ausstattung gilt nur bei 20 Prozent als sehr gut.Das sehr mäßige Abschneiden wundert den Präsidenten der Trierer Fachhochschule, Professor Bert Hofmann, nicht. "Ich hatte sogar noch einen schlechteren Platz erwartet", sagte Hofmann dem TV. Gerade den Bibliotheken fehlt es nach seinen Worten dramatisch an Geld. Bei den laufenden Mitteln stehe Rheinland-Pfalz bundesweit sogar auf dem vorletzten Rang. Die letzten Jahre waren in der Geldzuweisung laut FH-Chef Hofmann "bitter", weil nicht nur zu wenig im Finanztopf war, sondern auch noch Mittel für die Ausstattung in den Personalhaushalt umgeleitet werden mussten, um den Lehrbetrieb am Laufen zu halten. Dass es über ein Hochschulsonderprogramm aktuell mehr Geld gibt, freut Hofmann zwar, kommt nach seinen Angaben der Ausstattung aber kaum zugute, weil mit den Geldern bestimmte Projekte und Programme verbunden sind. Bei den Aufwendungen des Landes pro Student stehe Rheinland-Pfalz bundesweit mit am Ende. Die Gelder für die Hochschulen seien seit 1991 überdurchschnittlich um 62 Prozent gestiegen, heißt es dagegen im Wissenschaftsministerium. Auch werde das Hochschulsonderprogramm ab 2008 nochmals um 50 Prozent auf 37,5 Millionen Euro aufgestockt. Damit sollen nach Angaben eines Sprechers den Hochschulen bis 2011 rund 225 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung stehen, mit denen auch die Ausstattung verbessert werden könne.Gleichwohl sieht auch der Trierer Uni-Präsident Peter Schwenkmezger seine Hochschule von einer guten Ausstattung weit entfernt - allein schon, weil sie mit 14000 Studenten doppelt so viele ausbildet, wie die Raumkapazitäten eigentlich hergeben. Da der Bibliothekenetat seit Jahren nicht mehr steigt, können immer weniger Neuerscheinungen angeschafft werden. Die ostdeutschen Hochschulen hätten weniger Studenten und daher eine bessere Ausstattung, der Westen sei zurückgeblieben, sagte Schwenkmezger.Aus Sicht der FDP bestätigt die Rangliste eine dramatische Unterfinanzierung der Hochschulen. Da Rheinland-Pfalz auf Studiengebühren verzichte, werde sich die Situation gegenüber anderen Ländern noch verschärfen. Für die CDU belegt der Vergleich Ergebnisse anderer Studien: Mainz gebe zu wenig Geld für Hochschulen aus. Meinung Am falschen Ende gespart Geld ist nicht alles. Dieser Satz des früheren Wissenschaftsministers Jürgen Zöllner gilt natürlich auch für die Hochschulen. Doch mit zu wenig Geld bleibt vieles Stückwerk - und das kann sich niemand in einem so wichtigen Zukunftsbereich wie der wissenschaftlichen Ausbildung leisten. Die Ausstattung der Hochschulen hat über Jahrzehnte mit den steigenden Studierendenzahlen nicht mitgehalten. Mittel wurden teilweise gar eingefroren. Es wurde am falschen Ende gespart. Die Folge: Vor allem an Unis wie Mainz und Trier tummeln sich viel mehr Studenten, als die Kapazitäten hergeben. Fakt ist, dass Rheinland-Pfalz bei den "laufenden Mitteln" pro Student bundesweit mit am Ende der Länder-Rangliste steht. Es spricht gleichwohl für die Arbeit an den Hochschulen und für den Aufbau vieler neuer Fachhochschulen, dass, unabhängig vom Streit um Studiengebühren, viele Studenten den Weg nach Rheinland-Pfalz finden. Eine gewisse Entlastung könnte der im Hochschulpakt vereinbarte Aufbau zusätzlicher Studienplätze bringen, wenn die zugesagte Finanzierung trägt. Vielleicht müsste sich manche Hochschule auch schlicht von Exoten-Fächern trennen, um Gelder freizubekommen. j.winkler@volksfreund.de