Großregion will Energiewende voranbringen

Großregion will Energiewende voranbringen

Um die von der EU gesteckten Klimaschutzziele in der Großregion zu erreichen, soll die Energiewende grenzüberschreitend angegangen werden. Darauf haben sich die Vertreter der Großregion beim Energiegipfel in Trier verständigt.

Trier. Der saarländische Wirtschaftsminister Heiko Maas bringt es auf den Punkt: "Es ist ja schon schwierig, sich innerhalb von Deutschland in Sachen Energiewende abzustimmen. Über Ländergrenzen hinweg ist es noch schwieriger." Trotzdem will die Großregion gemeinsam den Klimaschutz voranbringen.
Die Region solle Vorreiter werden für den Ausbau alternativer Energien, sagt die rheinland-pfälzische Energieministerin Eveline Lemke (Grüne) bei dem Energiekongress der Großregion in Trier. Wie sie Vorreiter und Modellregion werden soll, welche gemeinsamen Projekte angegangen werden, bleibt bei dem Treffen allerdings noch unklar.
Es zeigt sich allerdings, dass die einzelnen Länder innerhalb der Großregion unterschiedlich weit gekommen sind bei der Umsetzung des von der EU vorgegebenen Ziels, alternative Energien auszubauen. So sind etwa Luxemburg und Belgien laut Torsten Wöllert, Klimaexperte der EU-Kommission, noch weit davon entfernt, bis 2020 tatsächlich 20 Prozent der benötigen Energie etwa durch Wind oder Sonne zu produzieren.
Belgien habe sich aber bereits auf den Weg gemacht, sagen die Vertreter des Nachbarlandes. So wolle die Region Wallonien weitere Windräder aufstellen und bis 2020 doch noch das 20-Prozent-Ziel erreichen. In der Deutschsprachigen Gemeinschaft rund um Eupen werde darüber nachgedacht, Energie aus der Biomasse von Abfällen zu gewinnen. Luxemburg ist bei dem Kongress in Trier nicht vertreten. Das hänge mit der derzeitigen Neubildung der dortigen Regierung zusammen, erklärt Lemke. Es habe sich niemand in der Lage gesehen, die energiepolitischen Ziele des Landes bei dem Treffen zu vertreten. Den schwierigsten Stand in Sachen Energiewende hat innerhalb der Großregion zweifelsohne Lothringen. Jahrelang habe man dort auf Kohlekraftwerke und mit Cattenom auf eines der größten Kernkraftwerke Frankreichs gesetzt, sagt Daniel Beguin, Vizepräsident des lothringischen Regionalrates. Vor zehn Jahren haben der Anteil alternativer Energien in Lothringen noch bei null gelegen, mittlerweile stammten neun Prozent der in Frankreich produzierten Energie aus Wind oder Sonne aus der Grenzregion. Neben dem Ausbau dieser Energien und auch von Erdwärme setze man verstärkt auf Energiesparmaßnahmen. Beguin schätzt, dass über 200 000 Häuser saniert werden müssen. Auch könne er sich vorstellen, den Autoverkehr durch Lothringen mit einer Ökosteuer zu belegen.Nichts Neues zu Cattenom


Ob Cattenom abgeschaltet werde, wisse er nicht, sagt Beguin. Er hoffe, dass der Druck aus Luxemburg und Deutschland so groß werde, dass das grenznahe Atomkraftwerk vielleicht doch vom Netz kommt. Genau darum sei der grenzüberschreitende Ausbau der alternativen Energien so wichtig, argumentiert Lemke. Vielleicht könnten damit das Abschalten der Anlage und auch der komplette Ausstieg aus der Atomenergie in Belgien und Frankreich beschleunigt werden.
Ihr saarländischer Kollege Maas sieht nach dem Treffen in Trier viele Überschneidungen bei der Energiepolitik der Länder der Großregion. "Die Energiewende kann nur gelingen, wenn sie von den Menschen akzeptiert wird. Deshalb ist es gut, dass die Partner in der Großregion bei dem Thema an einem Strang ziehen."Extra

Bei dem Energiegipfel in Trier sind einige Projekte zum Klimaschutz in der Großregion vorgestellt worden. So haben sich die Handwerkskammern aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Luxemburg, Lothringen und Wallonien zusammengetan, um die energetische Sanierung der Häuser zu fördern. Auch gibt es ein grenzüberschreitendes Projekt zur Weiterentwickelung der Elektromobilität. wie

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