Grünen-Landeschefin Jutta Paulus bald EU-Politik?

Singend und radelnd nach Europa : Macht die Grünen-Landeschefin Jutta Paulus bald EU-Politik?

Sie kämpft fürs Klima: Grünen-Landeschefin Jutta Paulus will ins EU-Parlament einziehen.

Fährt Jutta Paulus durch Rheinland-Pfalz, sitzt sie meistens auf ihrem geliebten Faltrad – ein Fahrrad, das sie zusammenklappen kann, um es im Zug zu verstauen und an der nächsten Haltestation wieder weiterzuradeln. Wahrscheinlich düst die Grünen-Landeschefin mit dem Rad bald durch Brüssel. Die 52-jährige Rheinland-Pfälzerin steht in der Europaliste der Grünen auf dem elften Platz, was ihr wohl den sicheren Einzug ins Parlament verheißt. Elf Prozent brauchen die Grünen dafür bei der Wahl am 26. Mai. Umfragen prophezeiten ihnen deutlich höhere Werte.

Mit Romeo Franz – auf Platz zehn gelistet und bereits Europaabgeordneter – säßen dann zwei grüne Rheinland-Pfälzer im Parlament. „Es sieht gut aus – und irgendwelche Ibiza-Videos tauchen von mir bestimmt nicht auf“, sagt Paulus lachend mit einem Seitenhieb in Richtung des österreichischen FPÖ-Politikers Heinz-Christian Strache.

Folgen hätte ihr Abgang für das Land:  Wenn die einstige Apothekerin den Sprung nach Europa schafft, räumt sie den Grünen-Vorsitz in Rheinland-Pfalz, in dem sie den weiblichen Part neben Josef Winkler übernimmt. Eine Nachfolgerin steht noch nicht fest.

Paulus folgt dabei den Inhalten, die ihr Herz berühren. „Wenn wir den Klimawandel und das Artensterben stoppen wollen, brauchen wir starke europäische Regulierungen“, sagt sie. Die zweifache Mutter tritt mit dem Vorhaben an, die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens auf alle europäischen Länder runterzubrechen. „Wir brauchen einen stärkeren Ausbau erneuerbarer Energien. Kein Land darf sich zurücklehnen, sondern muss schauen, wo es noch Ressourcen hat, klimaschädliche Ausstöße einzusparen“, fordert Paulus, die in Neustadt an der Weinstraße lebt und einen europaweiten Kohleausstieg bis 2030 befürwortet. Ein ambitioniertes Ziel, weiß die 52-Jährige, die sich für regionale Hilfen ausspricht, um Arbeitsplätze zu retten und Weichen für neue Technologien zu stellen. Bei einer europaweiten CO2-Steuer gelte es, Koalitionen unter Ländern zu schmieden, die voranschreiten. Um Tierarten zu retten, schlägt Paulus eine Reform landwirtschaftlicher Subventionen vor. „Die Gießkannenpolitik der EU hat katastrophale Auswirkungen auf Böden und Natur“, wettert Paulus. EU-Mittel dürften nicht rein nach Flächen fließen, sondern müssten kleinen, ökologisch wirtschaftenden Betrieben helfen.

Die Leidenschaft für Klima und Umwelt lotste Paulus erst zurück zu den Grünen, denen sie nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl beitrat. 2003 kehrte sie der Partei für einige Jahre den Rücken, weil ihr rot-grüne Beschlüsse zum Kosovo-Einsatz und zu Hartz IV nicht schmeckten. Damals habe ihr die Zeit gefehlt, politische Verantwortung zu übernehmen. Das hat sich längst geändert. 2017 wurde Paulus Grünen-Landeschefin. Auf der Europaliste landete sie auf einem aussichtsreichen Platz, obwohl sie bei der Wahl krank fehlte.

Klappt es mit Europa, will Paulus neben dem Radfahren ein weiteres Hobby beleben. „Ich habe früher viel gesungen“, sagt sie. „Mir würde es gefallen, einen europaweiten, fraktionsübergreifenden Chor auf die Beine zu stellen.“