Grundrecht auf Arbeit sichern

Grundrecht auf Arbeit sichern

TRIER. Vertreter der Dekanate im Bistum Trier, Verbände und berufene Mitglieder haben sich zur Vollversammlung des Katholikenrates (KR) zusammengefunden. Sie verständigten sich über Forderungen, die politisches Handeln nach sich ziehen sollen.

"Wir wollen die Stimme für solche Menschen sein, deren Stimme nicht gehört wird", sagte Winfried Görgen, stellvertretender Ratsvorsitzender. Die Hauptthemen, mit denen sich die Sachausschüsse in ihrer Gremienarbeit auseinander setzten, und über die sie sich während der Vollversammlung verständigten, sind Arbeitslosigkeit, Armut, die Situation gering qualifizierter Menschen sowie die wachsende Not von Landwirten. Die Vollversammlung bilden die 35 Vertreter der Dekanate, 15 Vertreter von katholischen Verbänden im Bistum und fünf berufene Mitglieder. Die Kernaussagen wurden als politische Forderungen formuliert, die an Politiker und Entscheidungsträger innerhalb der Kirche gestellt werden und im öffentlichen Diskurs Blockaden einreißen sollen, erklärte der Ratsvorsitzende Manfred Thesing am Wochenende in Trier.Stark machen für die Schwachen

Gering qualifizierte Menschen (22 Prozent) seien stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als etwa Menschen mit Berufsausbildung (7,5 Prozent) oder Hochschulabsolventen (drei Prozent). Die Tendenz sei steigend. Es sei ein Verdrängungseffekt eingetreten, erklärte Görgen, denn die Entwicklung zeige die Verdrängung von gering Qualifizierten durch Beschäftigte mit Berufsausbildung. Wichtig sei es trotz der Zahlen und Fakten, "die Menschen hinter den Quoten zu sehen mit ihren individuellen Betroffenheiten, den Auswirkungen auf deren Kinder und Familien" und den psychosozialen Folgen, sagte Görgen. Die Schaffung neuer Arbeitsplätze, eine bessere Ausgangsbasis für Unternehmen und finanzielle Anreize für die Bereitstellung von Stellen sowie die gesellschaftliche Anerkennung solcher Betriebe steht auf der Agenda des Katholikenrats für die politische Weichenstellung. Zur Einführung von Kombilohn-Modellen, die in der Vollversammlung kontrovers diskutiert wurden, haben sich die Vertreter des KR auf einen Kompromiss geeinigt. Diese Modelle könnten zunächst mit "überschaubarem Risiko" im gemeinnützigen Bereich in Rheinland-Pfalz und dem Saarland entwickelt und gefördert werden. Bei jungen Menschen sei allerdings vorrangig, die Ausbildungssituation und damit ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. "Gute Bildung und Ausbildung tragen zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit bei", machte Görgen deutlich. Das Engagement vor allem von Hauptschulen würdigte der KR, forderte aber, dass in sozialen Brennpunkten die Arbeit intensiviert werden müsse. Ganztagsschulangebote mit entsprechendem Profil sollen auch zur Verhaltensverbesserung Jugendlicher beitragen, um ihre Attraktivität für Arbeitgeber zu erhöhen. Dazu gehöre aber auch, dass neben Ausbildungsplätzen eine entsprechend höhere Bereitschaft zum Anbieten von Praktikumsstellen etabliert werde. Zwar liefert der KR keine fertig ausgearbeiteten Konzepte, aber will durch wiederholte Forderungen die Problematik und die Relevanz von Lösungen das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Veränderungen schaffen. Seine Aufgabe sieht der KR darin, ein Umdenken in Gang zu setzen und sich stark für die Schwachen der Gesellschaft zu machen.