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Gut für Bernkastel-Kues, schlecht für Trier

Gut für Bernkastel-Kues, schlecht für Trier

BERNKASTEL-KUES/TRIER. Das neue Gebäude für das Dienstleistungszentrum ländlicher Raum (DLR) in Bernkastel-Kues wird wie geplant gebaut. Der Wechsel an der Spitze des Wirtschaftsministeriums in Mainz ändere nichts an dem Projekt, sagte der Sprecher der Behörde, Kai Krischnak, dem TV.

Nach dem Stabwechsel im Mainzer Wirtschaftsministerium Anfang des Jahres sahen Landwirte und Winzer im Landkreis Trier-Saarburg einen Silberstreif am Horizont. Vielleicht, so ihre Hoffnung, werde die Behörde mit SPD-Minister Hendrik Hering an der Spitze die unter FDP-Vorgänger Hans-Artur Bauckhage beschlossene Verlagerung des Schwerpunkts der Agrarverwaltung nach Bernkastel-Kues doch noch abschwächen. Hintergrund sind Spekulationen, der aus Ürzig stammende ehemalige FDP-Staatssekretär Günter Eymael habe den DLR-Hauptsitz in Bernkastel-Kues durchgesetzt, um seiner Heimatregion etwas Gutes zu tun. Die Nachfolger, erwarteten einige, würden neue Akzente zu Gunsten der Trierer setzen. Konkret geht es um den Neubau eines Steillagenzentrums für das Dienstleistungszentrum ländlicher Raum (DLR). In dieser Behörde waren 2003 die Kulturämter Trier und Bernkastel-Kues sowie die Weinbaulehranstalt Trier zusammengefasst worden. Sitz des DLR ist Bernkastel-Kues, in Trier gibt es eine Außenstelle. Bauern und Winzer im Trierer Umland beklagen einen Abzug des Fachpersonals und befürchten eine Verschlechterung der Dienstleistungen (der TV berichtete mehrfach). Ursprünglich war der Baubeginn des neuen Zentrums in Bernkastel-Kues, in dem unter anderem Fachabteilungen und die Weinbau-Berufsschule untergebracht werden sollen, für Mitte dieses Jahres angekündigt. Weil sich bisher nichts tat, hofften Kritiker des Projekts, doch noch mit ihren Argumenten landen zu können. "Da wird mit Millionen-Aufwand in Bernkastel-Kues neu gebaut, während geeignete Gebäude in Trier leer stehen", kritisiert Walter Clüsserath, Chef des Bauern- und Winzerverbands im Kreis Trier-Saarburg. So stehe etwa die ehemalige Weinbauschule in der Egbertstraße leer - obwohl sie in gutem Zustand sei. Für Clüsserath ist das nicht nur angesichts der öffentlichen Finanzprobleme unverständlich: "Bernkastel-Kues ist doch viel schwieriger zu erreichen als Trier! Wie soll denn ein 16-Jähriger von der Obermosel nach Bernkastel-Kues in die Schule kommen?" Arbeiten sollen im Frühjahr 2007 starten

Kai Krischnak, Sprecher des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums, erteilt den Trierern eine klare Absage: "Die DLR-Zentrale bleibt in Bernkastel-Kues, und das Steillagenzentrum wird dort gebaut." Grund für den verzögerten Baubeginn sei, dass die Planung länger gedauert habe. "Nach derzeitigem Stand beginnen die Arbeiten im Frühjahr 2007", sagte Krischnak. Zu den Kosten wollte er sich nicht äußern, im vergangenen Jahr war von 4,5 Millionen Euro die Rede. Die Umnutzung vorhandener Gebäude käme Krischnak zufolge keineswegs günstiger. Im Neubau sollten 38 Menschen arbeiten. Die Zentrale des DLR mit derzeit rund 60 Stellen werde neben dem Neubau weiter genutzt. Die Trierer Außenstelle mit 57 Arbeitsplätzen bleibe "bis mindestens 2015 erhalten". Auch darüber hinaus sei kein Abbau geplant, sagte Krischnak und betonte: "Auch im Landkreis Trier-Saarburg wird es weiterhin Beratung auf hohem Niveau geben."