Hahn-Investor: Investitionsstau von bis zu 70 Millionen Euro am Hunsrücker Flughafen

Hahn-Investor: Investitionsstau von bis zu 70 Millionen Euro am Hunsrücker Flughafen

Der Vertreter des chinesischen Konzerns HNA warnt vor harten Zeiten am Hahn. Entlassungen schließt er nicht aus, die Zukunft mit Billigflieger Ryanair lässt er offen. Derweil kämpft die ADC als weiterer Flughafen-Bieter um ihren Ruf.

"15,1 Millionen Euro ist der Flughafen Hahn nicht wert." Es ist ein Satz, den Lufverkehrsexperten sagen könnten, ohne mit der Wimper zu zucken. In einer Ausschuss-Anhörung zum Verkauf des Hunsrück-Airports fällt der Satz am Mittwoch auch in Mainz. Das Besondere an den Worten: Christoph Goetzmann spricht sie aus. Und der redet als Vertreter des chinesischen Milliardenkonzerns HNA, der die rheinland-pfälzischen Anteile von 82,5 Prozent an der Flughafen-Gesellschaft kaufen will. Für 15,1 Millionen Euro.

Der Ex-Vertriebsleiter des Flughafens Hahn nimmt vor Abgeordneten des Mainzer Landtags kein Blatt vor den Mund, als er über die Lage am finanziell klammen Hahn spricht. Am Hahn herrsche ein Investitionsstau von bis zu 70 Millionen Euro, die Zahl des Passagier- und Frachtverkehrs des vergangenen Jahres befinde sich auf einem Tiefstand. Und die Personalquote sei im Vergleich zu Verkehrseinheiten bei anderen Flughäfen hoch.

Ob Goetzmann Entlassungen am Hahn ausschließen könne, fragt CDU-Chefin Julia Klöckner prompt - und der HNA-Vertreter antwortet entwaffnend ehrlich: "Ich schließe gar nichts aus." Offen lässt Goetzmann auch, wie es mit dem Billigflieger Ryanair am Hahn weitergeht. Er verkenne nicht, dass die Iren inzwischen auch von Luxemburg, Frankfurt und Bonn aus starten. Man werde sich mit Ryanair zusammensetzen.

Rückendeckung gibt dem HNA-Vertreter der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kirchberg (Rhein-Hunsrück-Kreis), Harald Rosenbaum. Er sagt, die HNA sei der richtige Käufer, weil die Chinesen den Flugbetrieb fortsetzen wollten. An dem Airport hängen mehr als 2000 Arbeitsplätze, davon kommt mehr als jeder zehnte aus der Region Trier, erzählt Rosenbaum. Komme es nicht zum Verkauf, drohe der Konkurs - und damit ein völliges Aus. Mit gravierenden Folgen, rechnet Rosenbaum vor: "Gehen 1500 Mitarbeiter in die Sozialhilfe, belastet das die öffentliche Hand mit bis zu 25 Millionen Euro im Jahr."

Goetzmann spricht von hohen Investitionen, die in den Hahn fließen müssten. Zugleich hebt er hervor, wie bedeutend der Standort zugleich für die Chinesen sei. "Es ist der erste Flughafen der HNA in Europa."

Wie der Milliardenkonzern diesen in die schwarzen Zahlen führen will, bleibt bei eine Blick in den Geschäftsplan aber fraglich, kritisieren Gutachter. Wirtschaftsprüfer Günter Hilger sagt, die Opposition könne den Plan gar nicht bewerten: zu viele Stellen seien geschwärzt. Er schlägt vor, einen unabhängigen Wirtschaftsberater einzuschalten, der den Geschäftsplan bewertet. Der Rechtsexperte Jürgen Kühling nimmt hingegen das Land in Schutz. Die EU habe klar gemacht, dass der Geschäftsplan keine Grundlage für den Verkauf des Flughafens bilden dürfe - nur der höchste Kaufpreis.

In Rheinland-Pfalz hat den die HNA geboten. Offen bleibt, was mit den hessischen Anteilen passiert, die ursprünglich der in der Pfalz ansässige deutsch-chinesische Bieter ADC kaufen wollte, ehe ein Notartermin wegen eines Gesellschafterwechsels platzte. Es ist nicht der einzige Widerspruch in Zusammenhang mit der ADC. Das zeigen Einblicke des TV in vertrauliche Regierungsdokumente. Aus diesen geht hervor, dass bis zum 6. Februar die ADC und eine Tochter der HNA noch gemeinsam die rheinland-pfälzischen Anteile erwerben sollten. Danach änderte sich der Plan - und die ADC sollte nur noch die hessischen Teile erwerben.

Zudem zeigen die Dokumente, dass ein Großprojekt eines ADC-Hauptgesellschafters auf Antigua gestoppt wurde und ihn ein Immobilienmakler wegen nicht bezahlter Provision verklagte. Zudem fanden sich zu drei Gesellschaften des Chinesen keine Geschäftsadressen. Darüber berichtet auch die Allgemeine Zeitung. Goetzmann sagt, die HNA stehe zu ihrem Partner. Er gehe davon aus, dass der Verkauf in Kürze abgeschlossen sei. Für die rheinland-pfälzischen Anteile sei das aber "unbedeutend".