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Halb leere Hallen und Zeit zum Verschnaufen

Halb leere Hallen und Zeit zum Verschnaufen

Statt unter Hochdruck immer neue Betten herbeischaffen zu müssen, haben Flüchtlingshelfer derzeit Zeit, alte Matratzen auszusortieren. Dass weniger Asylbewerber kommen, sorgt flächendeckend für eine Entspannung der Lage. Derzeit gibt es mehr Wohnraum als benötigt.

Trier. Die Zeiten, in denen Flüchtlinge in Fluren, Teeküchen, Garagen, provisorischen Zelten oder gar in einem Trierer Park schlafen mussten, weil es für so viele Menschen keinen Platz gab, sind lange vorbei. Eine Unterkunft nach der nächsten hat Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr geschaffen. Rund 13.000 Flüchtlinge könnte das Land inzwischen problemlos beherbergen. Ein weiteres Heim in Bad-Kreuznach wird derzeit noch fertiggestellt.

Gebraucht würde es momentan nicht. "Es war nicht absehbar, dass die Flüchtlingszahlen so abrupt sinken würden, wie wir dies seit der faktischen Schließung der Balkanroute erleben", sagt Integrationsministerin Irene Alt. Die Konsequenz: Die Unterkünfte in Bad Kreuznach, Herxheim, Alzey und bald auch jene in Emmerzhausen auf dem Stegskopf sollen vorerst nicht genutzt werden, aber als Reserve erhalten bleiben - für den Fall, dass wieder mehr Flüchtlinge den Weg nach Deutschland finden. Sie werden sozusagen in den Stand-by-Betrieb versetzt. Das Personal vom Stegskopf soll andere Aufgaben bekommen.

In den übrigen Erstaufnahmeheimen gibt es nun mehr Platz und mehr Zeit. "Wir sind froh über die aktuelle Situation. Das hat uns eine Atempause verschafft", sagt Andreas Schäfer vom Caritasverband Trier. In der Außenstelle der Trierer Erstaufnahmeeinrichtung in der Luxemburger Straße leben aktuell nur 450 Menschen. Vor ein paar Monaten waren es noch vier Mal so viele. Die Mitarbeiter nutzen diese "Pause" um kaputte Matratzen auszutauschen, den Zustand der Gebäude zu verbessern oder organisatorische Abläufe zu optimieren.

Auch auf dem Gelände des ehemaligen Hela-Markts in Wittlich wohnen aktuell nur 450 Flüchtlinge. Die ehemalige Baumarkthalle und Container auf dem Parkplatz davor sollten notfalls 1500 Menschen beherbergen - was jedoch bisher nie möglich war, da es Probleme mit dem Brandschutz sowie mit der Strom- und Trinkwasserversorgung gab. Die Probleme sollen nun bald behoben sein. "Allerdings fehlt es jetzt an Flüchtlingen", sagt Leiter Axel Schaumburger, der eigentlich im Justizvollzug arbeitet. Da die Lage sich entspannt hat, wird er Ende März entpflichtet. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier übernimmt dann mit eigenem Personal die Verantwortung in Wittlich.

Dass das Land nun über so viel Platz verfügt, entlastet die Kommunen: Menschen vom Balkan bleiben nach Auskunft des Integrationsministeriums in den Erstaufnahmeeinrichtungen (Afas), bis über ihr Asylverfahren entschieden wurde. Aktuell stellen sie allerdings nur noch einen kleinen Teil der Flüchtlinge: 216 Serben, 175 Albaner und 150 Mazedonier sind derzeit in den Afas des Landes. Stärkste Gruppen sind Syrer (4567), Afghanen (1804) und Iraner (434).
Auch die Landkreise und Kommunen können aktuell ein wenig durchatmen.

Dem Landkreis Trier-Saarburg waren im Januar noch 250 Asylbewerber zugewiesen worden, im Februar 100 und im März bisher nur 30, "was überwiegend auf die Schließung der Balkanroute und die dadurch vorhandenen freien Kapazitäten in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes zurückzuführen ist", sagt Pressesprecherin Martina Bosch. Für die beiden ersten Aprilwochen seien allerdings schon jetzt 44 Asylbewerber angekündigt, sodass die Zahl möglicherweise wieder steige.

Dank der neuen Gemeinschaftsunterkünfte verfügt der Landkreis über ausreichend Raum - auch, weil weiterhin Mietwohnungen angeboten werden. Es sei derzeit nicht geplant, weitere mobile Wohneinheiten zu bauen oder Hotels anzumieten. Momentan würden alle neu angestellten Mitarbeiter im Technischen Gebäudemanagement, im Jugendamt, in der AfA Hermeskeil, im Gesundheitsamt und in der Ausländerbehörde benötigt. "Sollte die Zahl der Flüchtlinge dauerhaft zurückgehen, kann ein Abbau einzelner Stellen in diesen Bereichen nicht ausgeschlossen werden", sagt Bosch. 2015 wurden dem Kreis 1230 Asylbewerber zugewiesen.

Im Vulkaneifelkreis leben aktuell 647 Asylbewerber. Auch dort hat sich die Zahl der Neuankömmlinge zwischen Januar (95) und März (14) deutlich reduziert. "Wir haben ausreichend Plätze in Gemeinschaftsunterkünften sowie in privatem Wohnraum", sagt Kreissprecherin Verena Bernardy. Entlassungen seien keine geplant.

Im Eifelkreis Bitburg-Prüm leben derzeit 1044 Asylbewerber. Im Januar kamen viele Neue hinzu: 143. Im Februar waren es nur noch 61, und im März werden es nach Auskunft der Kreisverwaltung voraussichtlich 34 sein. Für die Unterbringung und die Leistungen sorgen die Verbandsgemeinden und die Stadt Bitburg. Die Menschen werden dezentral in Wohnungen und Häusern untergebracht. "Dadurch besteht im Eifelkreis auch kein Überangebot an Unterbringungsmöglichkeiten", sagt Günter Maiers. Der Wohnungsmarkt biete, auch dank so mancher Leerstände, noch genügend Potenzial. "Die derzeitige Situation verschafft allen Beteiligten eine Verschnaufpause", sagt Maiers.

1260 Asylsuchende leben momentan im Kreis Bernkastel-Wittlich. Im ersten Quartal 2016 sei eine deutliche Verlangsamung des Zugangs zu verzeichnen. Welche Folgen die aktuellen Entwicklungen haben könnten, könne man nicht beurteilen. "Natürlich besteht die Hoffnung, dass die Einreise der Flüchtlinge künftig geordneter erfolgt und eine gerechte Verteilung auf die europäischen Mitgliedsstaaten gelingt", sagt Kreissprecher Manuel Follmann. Jedenfalls seien die Kommunen bei witem nicht an dem Punkt angelangt, über Personalabbau nachzudenken.

Wie sich die Flüchtlingssituation aktuell in Trier entwickelt, konnte das Rathaus auf TV-Anfrage nicht sagen, da die Sachbearbeiter im Urlaub seien.

Im vergangenen Jahr sind in Rheinland-Pfalz 52 000 Flüchtlinge registriert worden. 2014 waren es nur rund 10 000.