Handwerker, Köche, Taxifahrer: Wie die Flüchtlingskrise die heimische Konjunktur ankurbelt

Trier · Die Handwerkskammer bezeichnet den Flüchtlingszustrom als „eigenes, kleines Konjunkturprogramm“. Denn Handwerker und Bauwirtschaft profitieren unmittelbar – genau wie viele andere, darunter Taxiunternehmer, Caterer, Hoteliers. Zudem entstehen zahlreiche neue Stellen.

Alle reden über die Kosten der Flüchtlingshilfe. Und die sind in der Tat enorm. Allerdings fließt ein Großteil des Geldes direkt in die heimische Wirtschaft. Nicht nur Zelt-, Matratzen-, Betten-, Plumpsklo- und Wohncontainerhersteller profitieren vom Zustrom der Hilfesuchenden, sondern ganz viele Wirtschaftszweige. "Das ist ein kleines Konjunkturprogramm", sagt Matthias Schwalbach von der Handwerkskammer Trier - und so sehen das auch die führenden deutschen Wirtschaftsinstitute.

Mit 500 Millionen Euro will der Bund den sozialen Wohnungsbau fördern. Das bedeutet Aufträge für Baufirmen. Handwerker sind mit Hochdruck dabei, Kasernen bewohnbar machen. Schreiner, Zimmermänner, Elektriker und Installateure werden benötigt, um Holzhausmodule zu bauen. Sind die Wohnungen fertig, müssen Städte und Verbandsgemeinden (VG) sie einrichten. Bis maximal 5000 Euro gibt die VG Wittlich-Land pro Wohnung aus - im Idealfall für gebrauchte Möbel. Andere Kommunen kaufen Neuware.

Dank der Erstaufnahmeeinrichtung haben Caterer, Sicherheitsdienste, Reinigungsfirmen, Wäschereien oder Bäcker viel zu tun. Weil der Wohnraum nicht reicht, können auch Hoteliers mitmischen und Busunternehmer fahren zahlreiche Zusatztouren. "Es ist gut, dass wir die Erstaufnahmeeinrichtung haben", sagt Karl-Heinz Schorr, Chef der Taxi-Zentrale, die am Trierer Bahnhof nun nicht nur montags und freitags viele Gäste hat, sondern permanent.

Die Flüchtlingshilfe ist auch ein Jobmotor. DRK und Caritas haben für die Flüchtlingsbetreuung jeweils zig neue Stellen geschaffen. Weitere werden folgen. Die VG Konz brauchte drei neue Mitarbeiter, das Trierer Gesundheitsamt 2,5.

Vor allem Sozialarbeiter und Verwaltungsangestellte sind gefragt. Der Philologenverband fordert bundesweit bis zu 25.000 zusätzliche Lehrer, die Polizeigewerkschaft 15.000 neue Polizisten.Die Kammern bauen aber auch darauf, dass aus Flüchtlingen neue Fachkräfte und Azubis werden, die konsumieren und Steuern sowie Rentenbeiträge zahlen. Die IHK schätzt: Wenn 1000 Flüchtlinge Stellen in der Region Trier besetzen, die bislang offen sind, würde die regionale Wertschöpfung jährlich um 50 Millionen Euro wachsen.