Handwerker mit Visionen

TRIER. Ludwig Weber, langjähriger Präsident der Trierer Handwerkskammer (HWK), ist tot. Der gelernte Fernseh- und Radiotechniker sowie Elektro-Installateur starb im Alter von 86 Jahren.

Ludwig Weber war ein grenzenloser Optimist. Fragte man ihn nach seinem Befinden, antwortete er meist: "Mit geht es doppelt so gut wie Ihnen." Doch nicht nur Optimismus prägte das Leben des 1920 in Kordel (Kreis Trier-Saarburg) Geborenen. Sympathisch, freundlich, intelligent, keinen Deut arrogant, stets ein Lächeln auf den Lippen - das sind nur ein paar der Attribute, mit denen der doppelte Meister (Fernseh- und Radiotechnik und Elektro-Installation) bei zahlreichen Ehrungen beschrieben wurde. Freundschaft sei für ihn eine Sache des Herzens, "eine Geste des Gebens", charakterisierte einst HWK-Hauptgeschäftsführer Hans-Hermann Kocks seinen damaligen Präsidenten. 22 Jahre lang, von 1972 bis 1994, war Weber der erste Handwerker der Region. Nach seinem Abschied als Präsident wurde der damals 74-jährige Weber erster Ehrenpräsident der HWK. Weber habe in seiner Amtszeit außergewöhnliche Maßstäbe gesetzt, sagte sein Nachfolger Hans-Josef Jänschke damals. Weber war Visionär. Er erkannte früh, dass eine Kammer mehr sein muss als eine reine Verwaltungsbehörde. Er baute kontinuierlich die Aus- und Weiterbildungseinrichtungen der HWK aus und machte aus ihr ein modernes Dienstleistungszentrum. Sein Hauptanliegen war stets die gleichwertige Behandlung von beruflicher und allgemeiner Bildung. Auf Webers Initiative geht auch die Gründung des Saar-Lor-Lux-Umweltzentrums der HWK 1994 zurück. Vor allem grenzüberschreitende Zusammenarbeit lag ihm besonders am Herzen. Mit dem von ihm gegründeten Lehrlingsaustausch mit der Partnerkammer Yonne in Burgund legte Weber den Grundstein für die noch heute lebendige Partnerschaft des Landes mit dem französischen Departement. Eine entscheidende Rolle spielte Weber auch bei der Gründung des Interregionalen Rates der Handwerkskammern. Für sein grenzüberschreitendes Engagement erhielt er 1997 den französischen Verdienstorden. Drei Jahre zuvor wurde er bereits mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Weber hatte zunächst Werkzeugmacher gelernt. Nach dem Krieg, bei dem er als U-Boot-Fahrer eingesetzt war, übernahm er mit zwei Meisterbriefen in der Tasche das noch heute existierende Trierer Unternehmen Elektro Weber. Zu seinen Leidenschaften zählten der Bau von Modellschiffen, das Lesen und die Kunst (sein Lieblingsmaler war der Trierer Werner Persy).