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Haschisch-Kauf demnächst im Fachgeschäft?

Haschisch-Kauf demnächst im Fachgeschäft?

Die Zahl der Drogendelikte in der Region ist im vergangenen Jahr gestiegen. Mit schuld daran ist der Anstieg des illegalen Besitzes von Cannabis. Haschisch und Marihuana sind die am häufigsten konsumierten verbotenen Drogen in Deutschland.

Trier. Haschisch für alle? Gibt es demnächst Marihuana und andere Cannabisprodukte in speziellen Fachgeschäften, in denen geschultes Personal die Konsumenten über die verschiedenen Arten der Drogen berät? Und soll der Staat an dieser kontrollierten Drogenabgabe durch die Steuern auf jedes verkaufte Haschisch-Päckchen verdienen? Geht es nach den Grünen im Bundestag, dann wird das so kommen. Die Partei fordert seit Jahren eine Freigabe und damit eine Legalisierung von Cannabisprodukten. In einem Entwurf zum sogenannten Cannabiskontrollgesetz, der auch von der Trierer Bundestagsabgeordneten Corinna Rüffer mitgetragen wird, wollen die Grünen, dass Erwachsene künftig bis zu 30 Gramm Cannabis oder drei Cannabispflanzen für den Eigenbedarf besitzen dürfen. Gekauft werden soll der Stoff in Fachgeschäften. Kindern und Jugendlichen soll der Besitz laut Gesetzentwurf weiterhin verboten sein, auch darf ihnen niemand Cannabis verkaufen.
Lippenbekenntnis


Der Trierer Drogenexperte und Oberstaatsanwalt Jörn Patzak hält von dem Entwurf nichts. Er rechnet damit, dass durch ein solches Gesetz die Nachfrage nach Cannabis unter Jugendlichen steigen wird. Dies, so Patzak im März bei einer Anhörung im Bundestag, zeigen die Entwicklungen in den Niederlanden und Tschechien, wo es eine solche staatlich kontrollierte Cannabis-Abgabe bereits gebe. "Der angestrebte Jugendschutz ist ein Lippenbekenntnis", glaubt der Experte. Die Nachfrage nach Cannabis bleibe bei den Jugendlichen weiter bestehen. Der Schwarzmarkt werde damit auch nicht eingedämmt.
Patzak ist allerdings nicht ganz gegen eine Legalisierung. Er fordert bundesweit einheitliche Grenzen, bis zu denen Haschisch-Besitzer straffrei bleiben. In Rheinland-Pfalz liegt diese Grenze bei zehn Gramm, in Hessen und im Saarland bei sechs Gramm. Dieser Flickenteppich müsse beendet werden, sagt Pa tzak. Die sogenannte geringe Menge, bei der Verfahren gegen Cannabis-Konsumenten eingestellt werden müssten, müsse einheitlich definiert werden. Gegen die Freigabe von Cannabis als verschreibungspflichtige Medizin hat der Experte keine Bedenken, wenn die Krankenkassen die Kosten dafür übernehmen. Derzeit haben bundesweit 779 Patienten eine entsprechende Ausnahmegenehmigung.
Doch bei solchen Ausnahmen müsse es bleiben. Denn, so Pa tzak, Cannabis sei ohne medizinische Kontrolle gefährlich. Und zwar richtig gefährlich.
Schwere Folgen


Ein dauerhafter Konsum könne schwere Folgen haben. Daher macht ihn wütend, wenn sogenannte Alt-68er die Droge verharmlosen und so tun, als würde ein regelmäßiger Joint nicht schaden. Diese Leute verkannten, dass die heutigen Cannabisprodukte einen weitaus höheren Gehalt an dem süchtig machenden Stoff THC hätten, als das, was sie früher geraucht haben. "Cannabis wird von denen schöngeredet." Dass es aber je nach Wirkstoffgehalt "richtig in die Birne" haut, werde oft ausgeblendet.
Fakt ist, dass es immer mehr Cannabis-Konsumenten gibt. So ist im Bereich des Trierer Polizeipräsidiums der Anstieg der Verstöße gegen dss Betäubungsmittelgesetz 2015 vor allem auf mehr Fälle des unerlaubten Besitzes von Cannabisprodukten zurückzuführen. 903 solcher Fälle hat es laut Polizeisprecherin Sabine Bamberger gegeben. 180 der ermittelten Täter waren unter 18, 190 zwischen 18 und 21 Jahren, 335 gehörten der Altersgruppe der 21- bis 30-Jährigen an, 135 waren zwischen 30 und 40, bei den Älteren waren es 63.
Die Landeszentrale für Gesundheitsförderung (LZG) sieht in Cannabis trotzdem keine Modedroge. "Für unsere Arbeit ist es nachrangig, um welchen Konsum oder riskante Verhaltensweise es geht", sagt LZG-Sprecherin Marielle Becker. Jede Suchterkrankung "egal durch welchen Stoff oder welche Verhaltensweise" sei ernst zu nehmen und entsprechend zu behandeln.Extra

Cannabis ist der wissenschaftliche Name für Hanf. Aus den Blüten der Pflanze wird Marihuana gewonnen, aus dem Harz Haschisch. Der Anbau von Hanf als Rauschmittel ist in den meisten Ländern verboten, etwa in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In Deutschland ist Cannabis die am häufigsten konsumierte illegale Droge. Der Rausch durch den Konsum von Cannabis-Produkten entsteht durch den Bestandteil Tetrahydrocannabinol (THC). Es beeinflusst unter anderem das Zentralnervensystem des Menschen. Es kann entspannend und betäubend wirken. Daher ist Cannabis in Ausnahmefällen auch als Schmerzmedikament erlaubt. Durch spezielle Züchtungen ist der THC-Gehalt in einigen Cannabis-Produkten mittlerweile so hoch, dass, so die Einschätzung der Polizei, viele Konsumenten die Gefahr unterschätzen. wie