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Hass gegen J.K. Rowling wegen Meinung zu Transgender und Transpersonen

Analyse : „F*ck J.K. Rowling“ – Warum junge Menschen die Harry-Potter-Autorin hassen

Mit gewagten Thesen zum Thema Transgender hat die britische Autorin den Hass vieler junger Menschen auf sich gezogen. Eine Debatte ist entstanden, deren aggressiver Ton vor allem eines erreicht: Dass jene verstummen, die eigentlich gestärkt werden sollen.

Bei einem Konzert in Köln konnte man neulich erleben, wie weit verbreitet der Hass auf die britische Bestsellerautorin J. K. Rowling ist. Die junge amerikanische Sängerin Phoebe Bridgers trat auf, tat erst kund, was sie von der Entscheidung des Supreme Court der USA zum Abtreibungsrecht hält, schleuderte ihren Fans später noch ein „Fuck J.K. Rowling“ entgegen – und konnte sich johlender Zustimmung sicher sein.

Was die Harry-Potter-Autorin über das Thema Transgender schreibt

Die Erfinderin der Harry-Potter-Saga hat es sich mit ihren kritischen Äußerungen zu Transgender-Aktivismus mit jener jungen Generation verdorben, die hinter dem Kampf gegen Unterdrückung und für Selbstbestimmung steht – und im uneingeschränkten Recht auf Wandlung des Geschlechts den maximalen Ausweis von Freiheit sieht.

Spielte sich die Auseinandersetzung zunächst eher bei Twitter ab, hat Rowling inzwischen in einem langen Text dargelegt, was sie am Transgender-Aktivismus stört. Darin finden sich gewagte Thesen. Etwa die Idee, labile Jugendliche könnten durch den öffentlichen Diskurs verleitet werden, in der Transformation ihres Geschlechts einen Ausweg aus anderen Problemen zu suchen. Oder die eher absurde Vermutung, Menschen, die spüren, dass sie schwul oder lesbisch sind, könnten in der Geschlechtsumwandlung einen Weg sehen, Diskriminierung gegen Homosexuelle zu entgehen.

Rowling schreibt aber auch, dass das Ziel mancher Trans-Aktivisten, die Geschlechtsidentität selbst definieren zu können, am Ende dazu führe, „die ,Frau‘ als politische und biologische Klasse zu untergraben“. Wenn sich jeder Mann allein unter Verweis auf eine angeborene Geschlechtsidentität, die nur er selbst kennt, zur Frau erklären könne, könnten Männer ungehindert in Räume vordringen, die aus guten Gründen Frauen vorbehalten seien.

Rowling erzählt das im Zusammenhang mit Gewalterfahrungen in einer Beziehung. Sie rüttelt also bewusst und mit größtem persönlichen Einsatz am Fundament des Trans-Aktivismus. Entsprechend rigoros ist die Reaktion.

Hass gegen J.K. Rowling – ein Generationenkonflikt?

Nun kann man das als Generationenkonflikt betrachten. J. K. Rowling ist eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen der Gegenwart. Doch vielleicht ist die Zeit für Geschichten vorbei, in denen überwiegend weiße Kinder in einer durchaus elitären Welt ihre Wettkämpfe austragen.

Vielleicht passt das nicht zu einer Generation, die nicht mehr in den binären Strukturen von Gut gegen Böse denken will, sondern das Fluide feiert, die Auflösung alter Grenzen. Und die jeden Versuch, dieser Entgrenzung vermeintlich unumstößliche Gewissheiten entgegenzusetzen, für prinzipiell gewaltvoll hält. An welchem Thema ließe sich dieser fundamentale Widerspruch besser austragen als an dem des Geschlechts?

Es geht zudem um die Frage, wer im Feminismus wofür eintritt. Schließlich werden im klassischen Feminismus auch Macht- und Klassenkämpfe ausgetragen. In vielen Teilen der Welt haben sich diese Kämpfe noch längst nicht erledigt, werden Frauen weiterhin getötet, weil sie Frauen sind, wird Gewalt gegen Frauen nicht geahndet, leben Frauen Lichtjahre von Gleichberechtigung entfernt. Und selbst wo diese Angriffe nicht mehr legal sind, gibt es weiter gläserne Decken in Unternehmen, ungleiche Bezahlung. Um gegen solche Dinge vorzugehen, muss die Kategorie Frau definiert sein.

Die Auseinandersetzung ist auch deswegen so problematisch, weil darin auf allen Seiten vulnerable Gruppen vereinnahmt werden: Man spricht im Namen von Transpersonen, sorgt sich vor der Verführbarkeit labiler Teenager, wettert gegen Feministinnen. So hat sich eine aggressiv geführte Debatte über ein Thema gelegt, das harsche Töne nicht verträgt und jene verstummen lässt, die eigentlich gestärkt werden sollten.