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Hausbrand: Solaranlagen gefährden Einsatzkräfte

Hausbrand: Solaranlagen gefährden Einsatzkräfte

Solaranlagen lassen sich nicht einfach abschalten. Beim Löscheinsatz droht Brandbekämpfern ein Stromschlag. Die Berufsfeuerwehr Trier warnt aber vor Panikmache. Die Situation sei beherrschbar.

Trier/ Bitburg/ Wittlich. Immer mehr Haushalte entscheiden sich für eine Solaranlage zur "sauberen" Stromgewinnung durch Sonnenlicht auf dem Dach ihres Hauses. Da diese kleinen Kraftwerke aber nicht einfach ausgeschaltet werden können, stellen sie für Feuerwehren im Einsatz eine ernste Herausforderung dar. Es gab schon Fälle, in denen Feuerwehrkräfte aus Vorsicht oder Unwissenheit in Brand geratene Häuser mit Solaranlage kontrolliert abbrennen ließen.

"Es besteht eine latente Gefahr für Hauseigentümer und Einsatzkräfte. Selbst unter geringem Lichteinfall produziert eine Solaranlage fortwährend eine gefährliche elektrische Spannung", sagt Hartmut Ziebs, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV). Der Verband fordert deshalb die Industrie auf, umgehend eine technische Lösung für den gefahrlosen Feuerwehreinsatz bei Solaranlagen zu etablieren. Es müsse einerseits möglich sein, die Photovoltaik-Anlagen direkt an den Modulen abzuschalten. Andererseits sollte die Anlage im Störfall automatisch aufhören, Strom zu produzieren.

"Die Wahrscheinlichkeit eines Stromschlages ist bei einer Photovoltaikanlage geringer als bei einem normalen Hausnetz", meint jedoch Andreas Kirchartz von der Berufsfeuerwehr Trier. Außerdem warnt er eindringlich davor, die Bürger in Panik zu versetzen. Brände an Solaranlagen seien genauso beherrschbar wie Einsätze an anderen Elektroanlagen. "Im Bereich der Stadt Trier beispielsweise sind alle Kräfte der Berufsfeuerwehr entsprechend der bundesweiten Handlungsempfehlung des DFV geschult", erklärt Andreas Kirchartz.

Wehrleiter in der Region sind geschult



Aber auch alle anderen Bürger der Region Trier können beruhigt sein. Auch die Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehren der Landkreise Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich und Bitburg-Prüm kennen die Hinweise der DFV und wissen mit der Gefahr umzugehen. "Alle Wehrleiter sind eingewiesen und werden regelmäßig auf Grundlage aktueller Erkenntnisse geschult", bestätigt Ortwin Neuschwander, Kreisfeuerwehrinspektor von Trier-Saarburg.

Der DFV hatte kürzlich zusammen mit dem Bundesverband Solarwirtschaft Empfehlungen zur Vorgehensweise im Schadensfall für Photovoltaikanlagen herausgegeben. Diese beinhaltet Hinweise, die den Einsatzablauf verbessern sollen. Zudem nahmen die Führungskräfte der Berufsfeuerwehr Trier an einer Einweisung durch eine Trierer Solarfachfirma teil. Es sei gewährleistet, dass jedes Gebäude mit Solaranlage im Brandfall fachgerecht gelöscht werde, versichert Andreas Kirchartz: "In Trier wird kein Haus mit Solaranlage kontrolliert abbrennen müssen".

Extra

Gefahr durch Strom: Hintergrund sind die verschiedenen Stromkreisläufe einer Photovoltaikanlage. In den Modulen wird Gleichstrom mit einer Spannung von bis zu 1000 Volt erzeugt. Der bildet eine gefährliche Kombination mit Löschwasser. Schon 120 Volt Gleichstrom gelten als lebensgefährlich. Erst im Wechselrichter, der häufig nicht auf dem Dach, sondern im Keller steht, wird der Gleichstrom in netzüblichen Wechselstrom umgewandelt. Gibt es an den zurzeit üblichen Anlagen überhaupt einen Ein- und Ausschalter, befindet der sich in der Regel am Wechselrichter. Die Folge: Der Wechselstrom wird abgeschaltet, der Gleichstrom auf dem Dach fließt weiter. (red)

Empfehlungen an die Hausbesitzer mit Solaranlagen: Ein Schild, das eindeutig auf die Existenz einer Solaranlage hinweist, sollte gut sichtbar am Hausanschlusskasten sowie in oder an der Hauptverteilung angebracht sein. Ein Datenblatt der Anlage sollte die Leistung, die maximale Spannung, die Darstellung der Leitungsverlegung und die Lage der Abschaltorgane enthalten. Hauseigentümer sollten eintreffende Einsatzkräfte einweisen und ihnen den Standort des Wechselrichters angeben, um die Anlage abzuschalten. Solaranlagen müssen nach den gültigen baurechtlichen Bestimmungen geplant und errichtet werden. Dazu gehört die Einhaltung des vorbeugenden Brand- und Gefahrenschutzes. Es sollten ein sogenannter Lasttrennschalter außen am Gebäude sowie Unterbrechungsrelais an den Modulen installiert sein. Mit einem Knopfdruck soll es möglich sein, die Solaranlage komplett abzuschalten. (mal)