1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Heike Raab, die Stehauffrau

Heike Raab, die Stehauffrau

Heike Raab ist entspannt, wenn man sie dieser Tage trifft. Sie weiß, dass sie einen großen Karrieresprung macht: von der Innenstaatssekretärin hin zur Chefin der Landesvertretung in Berlin und Brüssel. Eine Schlüsselrolle, die Macht und Einfluss sichert.

Mainz. Heike Raabs neue Position bedeutet in der Regel auch, dass die Sozialdemokratin sicher an Bord ist, sollte die SPD auch nach dem März 2016 die Regierung in Rheinland-Pfalz stellen. Raab hat auf den letzten Metern dieser Legislatur einen steilen Aufstieg hingelegt. "Ich freue mich auf die neue Aufgabe", sagt sie. Und kann dabei ein Lächeln nicht unterdrücken.
Zäh und kämpferisch


Die Politikerin aus dem Kreis Cochem-Zell ist so etwas wie die Stehauffrau der rheinland-pfälzischen Landespolitik: zäh, kämpferisch, mit dem Durchsetzungs-Gen gesegnet. Ihre Karriere hatte Höhen und Tiefen. Und auf allen diesen Stufen hat die zierliche 50-Jährige schon manch einer unterschätzt. Raab ist krisengestählt. Dieses Talent musste sie bereits als persönliche Referentin des früheren rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Rudolf Scharping (SPD) unter Beweis stellen, dem sie 1994 nach Berlin folgte. Spätestens dort lernte sie, die Untiefen des Politikbetriebs auszuloten. Eine Erfahrung, die ihr nützen dürfte, wenn es sie nun neuerlich in die Bundeshauptstadt verschlägt - in einer gewichtigeren Rolle.
Die erste schwierige Phase in ihrer Karriere musste sie durchschreiten, als der damalige Ministerpräsident Kurt Beck die Politologin 2006 zur Generalsekretärin machte. Bereits bei ihrer ersten Wahl kam sie nur auf magere 75,5 Prozent. Ihr Vorgänger, der jetzige Parteichef Roger Lewentz, war der Liebling der Genossen. Ihm traute man Großes zu. Doch mit Heike Raab, die manchmal spröde und bestimmend sein kann, wurde die Partei nicht richtig warm.
Raab rackerte sich ab, attackierte die Opposition, steckte deren politische Hiebe ein und versuchte zugleich, die Landesgeschäftsstellen fit zu machen. Belohnt wurde sie dafür selten. 2008 bekam sie 71 Prozent, 2010 waren es sogar nur noch 64,2 Prozent. Der Tiefpunkt. In solchen Momenten muss man gute Nerven haben, um weiterzumachen. Raab schüttelte sich - und ging auf ein Neues in die Offensive. Nach der knapp gewonnenen Landtagswahl ließ Beck sie nicht fallen. Raab wurde aus der Schusslinie genommen und Innenstaatssekretärin. Ihre Aufgabe als Generalsekretär übernahm erneut ein Genosse mit großem Potenzial: Alexander Schweitzer, inzwischen Fraktionschef.
Raab genoss die vergleichsweise Unaufgeregtheit eines Regierungsamtes. Ihr fiel der klassische Bereich innere Sicherheit zu, mit dankbaren Themen wie Polizei und Verfassungsschutz. Alle heißen Eisen hatte der neue Innenminister Roger Lewentz (SPD) bei seinem Vertrauten Jürgen Häfner angesiedelt.
Raab kam bei den Sicherheitsbehörden gut an. Auf Terminen erschien sie bereits kurz nach ihrem Amtsantritt bestens präpariert. Als sich der personelle Umbau im Innenministerium abzeichnete, sollte Raab offenbar zur Ministerialdirektorin degradiert werden. Doch Raab setzte sich gegen Lewentz durch, ließ sich ihre Staatssekretärswürde nicht nehmen. Dafür verlor sie 2014 weitere Kompetenzen an den neuen Ministerialdirektor Randolf Stich.
Doch die schwere Erkrankung von Jacqueline Kraege (SPD), der bisherigen Chefin der Landesvertretung, änderte alles. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) brauchte eine Frau, die hart verhandeln kann. Raab stieg auf - nun ist die 50-Jährige stärker denn je zuvor. In Berlin dürfte sie die Chance ihres Lebens bekommen.