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Hermeskeils problematische Ehrenbürger

Hermeskeils problematische Ehrenbürger

Die Stadt Trier hat vorige Woche per Ratsbeschluss Adolf Hitler posthum die Ehrenbürgerwürde aberkannt. Aber auch andere Städte des Kreises Trier-Saarburg haben 1933 Hitler und weiteren Politikern aus der Nazi-Zeit die Ehrenbürgerrechte verliehen und diese bislang formal noch nicht aufgehoben.

(ax/f.k./cmk/jka) Der TV hat recherchiert, wo in den Städten des Landkreises nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 Funktionäre der Partei Ehrenbürgerrechte erhielten:

Hermeskeil: In Hermeskeil ernannte der Gemeinderat am 18. April 1933 neben dem damaligen Reichspräsidenten Paul Hindenburg drei Nazi-Größen zu Ehrenbürgern. Neben dem "Führer" Adolf Hitler erhielten Gustav Simon und Robert Ley diesen Status (siehe Extra). Alle drei starben 1945.

Die Ehrenbürgerwürde wurde diesem Trio in Hermeskeil bislang formal noch nicht aberkannt. Wie in Trier hatte das mit der Rechtsauffassung zu tun, dass mit dem Tod die Ehrenbürgerschaft erlischt. Der amtierende Stadtbürgermeister Udo Moser (Bürger für Bürger), der 1999 in den Stadtrat kam, kann sich noch daran erinnern, dass in seiner Anfangszeit in diesem Gremium kurzzeitig über die formale Aberkennung der Ehrenbürgerwürde für die drei Nazi-Verbrecher diskutiert wurde. "Man hat damals aber wegen der Rechtslage keinen Handlungsbedarf gesehen." Durch die Entscheidung des Trierer Stadtrats ist das Thema aus seiner Sicht "aber auch für uns wieder aktuell geworden." Moser kündigt an, dass er beim nächsten Treffen des Ältestenrats - ihm gehören neben den beiden Beigeordneten die Sprecher aller fünf Ratsfraktionen an - die Frage zur Sprache bringen will, ob die Stadt Hermeskeil dem Beispiel Triers folgen und den drei NS-Verbrechern Hitler, Simon und Ley die Ehrenbürgerrechte posthum aberkennen soll. Wenn im Ältestenrat darüber Einigkeit herrschen sollte, könnte das Thema dem Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt werden, so Moser. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Hermeskeil übrigens keiner weiteren Person mehr die Ehrenbürgerwürde verliehen.

Konz:
Die Stadt Konz hat ihre Stadtrechte seit 1959. Die Ehrenbürgerwürde hat sie bisher an sieben ihrer Bürger verliehen. Darunter sind laut dem Sprecher der Stadtverwaltung, Achim Lutz, keine Nazifunktionäre. Zum ersten Konzer Ehrenbürger wurde Peter Zettelmeyer, der Sohn des Gründers der Maschinenbaufirma Zettelmeyer, Hubert Zettelmeyer, am 21. Februar 1970 ernannt. Die sechs weiteren Ehrenbürger sind Albin Groß, Direktor der Firma Zettelmeyer, Jakob Dewald, langjähriger Beigeordneter der Stadt Konz, Rolf Robischon, Gründungsmitglied des Freilichtmuseums Roscheider Hof, Michael Kutscheid und Hermann Hendricks, beide Bürgermeister der Stadt und VG, sowie Ulrich Haas, langjähriger ehrenamtlicher Leiter des Freilichtmuseums.

Saarburg: Aktuell hat die Stadt Saarburg keinen Ehrenbürger. Adolf Hitler jedoch wurde der Titel am 26. April 1933 verliehen, teilt die VG mit. Da eine Ehrenbürgerschaft aber mit dem Tod erlischt, wurde sie ihm nach dem Krieg nicht mehr explizit entzogen. "Er wird jedoch auch nicht mehr als ehemaliger Ehrenbürger angesehen und aufgeführt", teilt die VG mit. Im Rathaus der Stadt selbst gibt es keine Unterlagen, die den Beschluss belegen - vielleicht, weil das Archiv bei einem Bombenangriff Weihnachten 1944 zerstört wurde. "Ich werde das Thema im Ältestenrat ansprechen und danach wird es sich entscheiden, ob dieses Thema bei uns in einem Ausschuss als Tagesordnungspunkt aufgenommen werden soll", sagt Stadtbürgermeister Jürgen Dixius.

Schweich: Adolf Hitler oder andere Nazigrößen kamen in Schweich nicht zu Ehren. Dazu der Zeitzeuge Josef Rohr (89): "Eine Schweicher Ehrenbürgerschaft Hitlers hat es definitiv nicht gegeben." Nach der Stadtwerdung Schweichs vor 26 Jahren übernahm Josef Rohr als erster das Amt des Stadtbürgermeisters. Auch nach dem Krieg pflegten die Schweicher keinen inflationären Umgang mit Ehrenbürgerschaften. Der amtierende Stadtbürgermeister Otmar Rößler nennt drei Ehrenbürgerschaften, die nach 1945 vergeben wurden: 1969 zeichnete die damalige Ortsgemeinde Schweich damit Dechant Nikolaus Anschau aus, 1981 erhielt Altbürgermeister Josef Geiben die Ehrenbürgerwürde, und 1998 wurde der besonders auf sportlicher Ebene aktive Hermann Schmitt zum Ehrenbürger ernannt. Derzeit hat Schweich keinen lebenden Ehrenbürger.

Biographie:
Gustav Simon: Gustav Simon wurde 1900 geboren. Er gründete bereits 1926 die NSDAP-Ortsgruppe Hermeskeil und unterrichtete unter anderem als Volksschullehrer im Nachbardorf Gusenburg. Simon stieg (noch vor der Machtergreifung der Nazis) 1931 zum Gauleiter des Gaus Koblenz-Trier und ab 1940 zum Chef der Zivilverwaltung im besetzten Luxemburg auf. Er starb am 18. Dezember 1945.
Robert Ley: Robert Ley wurde 1890 geboren. Ley wurde 1925 Gauleiter des Gaus Rheinland-Süd."Er war ein Förderer von Simon, war oft in Hermeskeil, und nach ihm wurde die in der Nazi-Zeit gebaute Jugendherberge benannt", sagt Heimatforscher Dittmar Lauer (Kell). Auch Ley kletterte später in der NSDAP-Hierarchie nach oben. Er wurde unter anderem Chef der Deutschen Arbeitsfront ("Kraft durch Freude"). Er tötete sich am 25. Oktober 1945 selbst.